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Die digitale Ohnmacht … Wer schützt uns vor der NSA?

Levison Interview: Lavabit-Shutdown

Levison Interview: Lavabit-Shutdown

In einem t3n-Artikel habe ich heute ein Interview von zwei Reportern von Democracy Now! mit dem Lavabit Gründer Ladar Levison und seinem Anwalt gesehen. Sehr beklemmend. Bisher habe ich zu dem Thema NSA-Abhörpraktiken nichts geschrieben, und ich werde das Thema hier sicherlich nicht episch aufrollen. Nur kurz zur Einleitung: Lavabit bietet einen Verschlüsselungsdienst für Emails an, und … war der Email-Provider von Edward Snowden. Nun haben amerikanische Behörden offenbar Lavabit gezwungen, der NSA die Verschlüsselung für das Ausspähen der Emails offenzulegen. Ladar Levison hat konsequenterweise seinen Dienst geschlossen, denn, wie er selber sagt: er hatte die Wahl zwischen zwei Übeln, und er hat das kleinere gewählt.

Das Interview mit Ladar Levison.

Die ganze Abhöraktion steht unter dem Deckmantel der Terroristen-Fahndung. Und da die Technik es hergibt, nutzen die Geheimdienste sie natürlich. Leider werden wir alle dadurch zu potentiellen Kriminellen. Manniac hat ein schönes Video über die Risiken des Überwachungsstaates gezeichnet:

Das ganze Übel entfacht sich letztlich auch an der Tatsache, dass praktisch alle großen Internet-Dienste unter amerikanischer Flagge laufen. Google, facebook, Amazon, youtube und so weiter: alles unterliegt amerikanischem recht – und die Server stehen in den USA. Und wenn die großen Konzerne per Gesetz verknackt werden, diese Daten offen zu legen: was sollen sie tun? Zumachen, so wie Lavabit? Das ist kaum realistisch…

Was tut die Regierung: schönreden…

Unsere Regierung steht der ganzen Sache naiv hilflos, ja ohnmächtig gegenüber. Was könnte man auch tun? Zugeben, dass wir keinerlei Möglichkeiten haben, das zu unterbinden? Dazu aufrufen, Facebook und Google zu meiden und besser keine Emails mehr zu schreiben? Das einzige, was den Marionetten in der Regierung einfällt, sind lächerliche Vertrauenserklärungen. „Auf deutschem Boden wird kein Bundesbürger ausspioniert!“ … Hallo, #Neuland, oder wie? Siehe dazu auch: Sascha Lobo bei SpOn.

Was nun?

Vorsicht ...

Vorsicht …

Im Grunde gäbe es nur eine sinnvolle Lösung: die Server und Leitungen müssten allesamt auf europäischem Boden stehen. Denn nur so könnte man gegen einen Missbrauch vorgehen – oder zumindest die Arbeit der Länder-Geheimdienste prüfen. Aber selbst dann stünde die Frage im Raum, ob sich die Europäischen Partner daran halten. Und selbst wenn man das Ganze nur auf Deutschland beschränken würde, bleibe die Frage im Raum, ob denn unser Geheimdienst sich an die Gesetz hält. Denn auch in unserer Regierung / Gesellschaft gibt es zahlreiche Menschen, die den Schutz vor Terroranschlägen über den Schutz der Privatsphäre stellen.

  • Die digitale Revolution hat uns alle eingeholt. Wir sind abhängig von ihr, und wir sind der Technik ausgeliefert. Sie ist nicht mehr kontrollierbar. Am einfachsten haben es letztlich die Terroristen: die wissen, dass sie sich andere Kommunikationswege suchen müssen. Und ich habe keinen Zweifel, dass es ihnen ohne große Probleme gelingt.
  • Die deutschen Anbieter wie Telekom, 1und1, Strato und so weiter müssten per Gesetz verpflichtet werden, alles, was über ihre Kanäle läuft, zu verschlüsseln. Nicht, dass ich ein Freund neuer Gesetze wäre. Aber so, wie sich Pofalla und Co. Verhalten, fehlt mir jegliches Vertrauen, dass die meine Interessen vertreten. Ein Gesetz wäre eine öffentlich einsehbare Sache.
  • Das Internet muss vor Geheimdiensten geschützt werden. Es braucht eine Instanz, die die Interessen des Netzes gegen die Interessen von Staaten verteidigt.
  • Im Übrigen würde mich mal interessieren, wie sich eigentlich die Banken in dem Zusammenhang verhalten. Bankdaten werden natürlich verschlüsselt gesendet, aber kann man sich sicher sein, dass die NSA diese Schlüssel nicht kennt?
  • Da wir gerade Wahlkampf haben: ich erwarte da schon etwas klarere Vorschläge von den Parteien. Es geht um die Interessen von über 80 Mio. Deutschen. Da kann man sich nicht hinter Neuland verstecken…

Bei all der Ohnmacht kann man eigentlich nur den Entscheidern, egal an welcher Stelle, eines mit auf den Weg geben:

Der Schutz der Privatsphäre ist ein höheres Gut als der Schutz vor Anschlägen!

Ladar Levison Interview

Ladar Levison Interview

Kategorie: Allgemein   Autor: Martin Mißfeldt

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9 Kommentare zu "Die digitale Ohnmacht … Wer schützt uns vor der NSA?"

  1. FelodeSEO

    Unsere Politiker wie auch unser Gesetzgeber, hängen der Technik und der Problematik Internet, mindestens 10 Jahre hinterher. Die haben schlicht und einfach keine Ahnung, wie es tatsächlich zugeht in dieser digitalen und vernetzten Welt. Wenn deutsche Politiker nach einem deutschen Google schreien, dann zeigt das doch schon die Intelligenz der Damen und Herren. Jetzt wo einer die NSA verpfiffen hat, erst jetzt kommt ans Licht was hätte schon vor 15 Jahren grell aufleuchten müssen. Es ist nicht nur Google oder Facebook, die Daten abschöpfen, filtern und an die NSA weiter geben, den BND erwähn ich gleich mal nicht. Sondern Microsoft, HP, Dell usw. das sind amerikanische Firmen von Amerikanern gegründet welche im Ernstfall Patrioten sind. Egal ob BND, Bundswehr, Regierung, Polizei, Grenzschutz, deutsche Wirtschaft oder das BKA, alle verwenden Rechner mit Software made in USA. Das abschöpfen der Daten hat mitte der 90er begonnen, an dem Tag, an dem amerikanische Produkte in Deutschland, von Deutschen, ins www gestöpselt wurden.

  2. Annekke

    Sehr wahrer Artikel. Werde ich weiterverbreiten.

  3. speedy

    „Im Übrigen würde mich mal interessieren, wie sich eigentlich die Banken in dem Zusammenhang verhalten. Bankdaten werden natürlich verschlüsselt gesendet, aber kann man sich sicher sein, dass die NSA diese Schlüssel nicht kennt?“

    das brauchen man nicht, es gibt doch SWIFT-Abkommen. Da werden alle Bankaktivitäten ohnehin an den großen Bruder übermittelt :D

    cheers

  4. Safferthal

    Die Schattenregierung der unsouveränen BRD zünden doch nur Nebelkerzen. Die wissen ganz genau was vorgeht und die haben doch noch nie im Interesse für Deutschland und die Deutschen gehandelt. — Schlimmer ist eher, dass der typische BRD-Bürger nun einen auf ganz entsetzt macht, aber zuvor regelrecht Youtube, Google, Facebook, Twitter und nach viele anderen US-Unternehmen freiillig mit Daten gefüttert hat.

    „das sind amerikanische Firmen von Amerikanern gegründet welche im Ernstfall Patrioten sind.“

    Die dürfen auch Patrioten sein, weil denen nicht die N.-Sozialismus-Keule droht.

    „an dem Tag, an dem amerikanische Produkte in Deutschland, von Deutschen, ins www gestöpselt wurden.“

    Glaubst du mit deutschen Produkten wäre es besser?

    • FelodeSEO

      @ Safferthal

      Mit deutschen Produkten wäre es mit Sicherheit nicht besser, nur würde eben nicht alles über den großen Teich wandern. Aber darüber brauchen wir ja auch nicht zu diskutieren, denn es ist nun mal so, dass dem ganzen keiner etwas entgegen setzen kann und will.

      Was ich mit dem Kommentar eigentlich andeuten wollte ist folgendes: Sollte mal der Tag X kommen, dann gehen bei uns ganz schnell die Lichter aus. Sie gehen nicht aus, weil aus einer B52 etwas heraus fliegt, sondern weil man uns den Stecker zieht.

      Ja hat der Bürger etwas anderes gemacht wie die Regierung??? Wenn der Bürger seinen nackten Hintern postet ist das ja sein Problem. Wenn aber der Staat mit Hilfe des BND zusätzlich zu dem Hintern, gleich noch Name, Adresse, Kontostand, Strafregister und Krankenakte hinterher schickt, ja dann wird es eben kritisch.

  5. Ronny

    Und wenn die großen Konzerne per Gesetz verknackt werden, diese Daten offen zu legen: was sollen sie tun? Zumachen, so wie Lavabit?

    Ich stelle mir schon seit einiger Zeit die Frage, wann kommt endlich einer der großen Konzerne auf die Idee sich ein Land oder eine Bohrinsel zu kaufen und eigene Gesetze zu machen. Bei den ganzen Vorgaben und Verpflichtungen durch die US Regierung, wäre dies doch naheliegend, oder?

    Microsoft soll im Übrigen in der Vergangenheit schon einmal darüber nachgedacht haben.

  6. Thomas

    Einen einfachen Schutz, für den man nur einen Schalter umlegen muss, gibt es leider nicht, und das ist deprimierend. PGP-Verschlüsselung von Mails ist beispielsweise eine schöne Sache, dürfte aber bei kaum einem Kommunikationsteilnehmer vorhanden sein. Dann die Smartphones – ohne Account bei einem von drei amerikanischen Unternehmen nicht zu gebrauchen.

    Schwierig ist zudem, dass die Überwachung ja eben nicht nur staatlich, sondern durch privatwirtschaftliche Unterstützung zu funktionieren scheint. Betriebsgeheimnisse dürften da durchaus auch „überwacht“ werden, damit es keine Terroranschläge mehr gibt.

    Letztendlich wird man wohl weniger irgendwelchen nicht nachprüfbaren Beteuerungen der Regierungen – die ja nach eigenen Angaben auch kaum Kontrolle über die Geheimdienste haben – trauen können. Sondern sich bei jeder Aktion sagen müssen: Feind liest mit. Wichtige Daten müssen also besonders geschützt werden. Das ist leichter gesagt als getan.

  7. Kay

    oje, ich versuche mir darüber keine Gedanken mehr zu machen. Da könnte ich nämlich sonst irre werden. wobei ich wirklich amüsant finde, wer sich teilweise darüber aufregt, aber gleichzeitig eben freiwillig facebook, whatsup und co. nutzt.

    wobei ich mir schon überlegt habe, die umgekehrte taktik zu fahren: möglichst viel Datenverkehr erzeugen, damit der Nsa richtig was zu tun bekommt.

    Als unverschämt empfinde ich aber weniger das Verhalten der US-Amerikaner (die haben mit dem 11. September wenigstens ein Trauma als Begründung – und das das weder eine Demokratie noch ein Rechtstaat ist, wussten wir ja eigentlich schon vorher), sondern das der Briten: Festhalten von neun Stunden auf dem Flughafen, Druck auf die Zeitung ausüben etc. Das finde ich viel erschreckender.

    Diese Woche werde ich mich auch endlich nach einer Gmail-Alternative umsehen. Ist zwar bequem, aber will ich nicht mehr.

  8. Alexander

    Ich finde, man sieht gerade an der Spähaffäre die Unfähigkeit unserer Regierung und auch der Opposition. Wie sie sich derzeit gegenseitig die Schuld zuschieben, um im Wahlkampf stimmen zu gewinnen, oder eher keine zu verlieren, ist schlicht und einfach peinlich. Bei einer Affäre solchen Ausmaßes sollten die Politiker vernab aller unterschiedlichen Lager gemeinsam an einer Lösung arbeiten, die alle zufriendenstellt. Eine Lösung, die den Schutz unserer Daten UND den Schutz vor Terroranschlägen so weit wie möglich miteinander vereinbart. Klar ist aber, dass im Zweifel die Datensicherheit tatsächlich das höhere Gut ist.
    Für mich ist die Erkenntnis, dass sich die Politik derzeit als kaum handlungsfähig zeigt, allerding fast noch schlimmer als der fehlende Schutz meiner Daten.

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Martin Mißfeldt

Autor: (Künstler, Firma DUPLICON Berlin) über Bilder, die Bildersuche im Internet sowie Bilder- und Video-Optimierung. Mehr

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