Liebe Piratenpartei, ich hatte mal die Hoffnung …

Untergang der Piratenpartei

Untergang der Piratenpartei

… dass ihr etwas bewegen könnt. Doch seit Wochen, ach Monaten, liest man nicht Konstruktives von Euch – wohl auch, weil diese Personalmätzchen für die Medien viel unterhaltsamer sind als inhaltliche Arbeit. Der Gipfel ist nun, dass sich Euer Bundesgeschäftsführer von dem Berliner Landesvorsitzenden bedroht fühlt und eine interne SMS-Korrespondenz online stellt. Wer hier nun der Blödmann ist, ist mir eigentlich ganz egal. Aber: Die Piraten sind mal unter der Flagge “Internet-Partei” losgesegelt. Junge Leute, Internet-Freaks und Nerds, Leute, von denen der Rest der Gesellschaft dachte: die spinnen zwar ein wenig, aber sie sind ja noch jung, und sie wissen, worüber sie reden. Auch ich hatte die Hoffnung, dass ihr Themen und Probleme aus der digitalen Welt in den politischen Diskurs einwebt. Und nun das …

Überholspur-Politik ...

Überholspur-Politik …

Das Schlimme daran ist, dass die ganzen wichtigen Fragen nach Macht, Transparenz, Datenschutz, Rechten, Pflichten, Werten, Normen, Regeln, Verantwortung, das Auflösen lokaler Grenzen und so weiter, all diese Fragen, die so fundamental für die weitere Entwicklung unseres Internets sind, durch diese Peinlichkeiten ins Lächerliche getrieben werden. Natürlich werden diese Themen noch behandelt, aber eben nur im Netz. Ihr als Piratenpartei seid doch mal angetreten, um eine Brücke zu schlagen, oder? Viele, die nicht so netzaffin sind, hielten (oder halten) Euch für die “Partei der Menschen, die im Internet aktiv sind“. Nun macht es irgendwie den Eindruck, als wenn alle, die mit dem Internet zu tun haben, letztlich zickige, egoistische Affen seien. Je größer der Hang zur Selbstdarstellung, um so weiter oben in der Piratenpartei…

Einfach reich und schön ...

Einfach reich und schön …

Wahrscheinlich war das Ansinnen, sich zu einer “Internet-Partei” zu formieren, von vornherein zum Scheitern verurteilt. Vielleicht war es bei vielen auch gar kein Ansinnen, sondern ist erst von anderen der Gründer-Initiative ans Revers geheftet worden. Wenn ich mir anschaue, wie oberflächlich und undifferenziert zum Beispiel das Thema Urheberrecht  bei den Piraten angegangen wird, dann ist das sehr ernüchternd. Aber natürlich ist es auch  klar, dass keine Partei alle Interessen unter einen Hut bringen kann. Es wird Zeit, dass aus den Kreisen der etablierten Parteien endlich mal vernünftige Vorschlage und Diskussionen zu Netz-relevanten Themen kommen, die über das Lobbyisten-Dünkel hinausgehen und die Netzgemeinde mit einbeziehen – oder dass sich neue Parteien gründen. Die Piraten schaffen es offenbar nicht …

Schade.

Untergang der Piratenpartei

Untergang der Piratenpartei

Btw: wer noch nicht mitgezeichnet hat: Verteidige Dein Bild! Und wer noch nicht mitbekommen hat, worum es dabei geht, hier der Hintergrund:

 

Kategorie: Allgemein   Autor: Martin Mißfeldt

13 Kommentare zu "Liebe Piratenpartei, ich hatte mal die Hoffnung …"

  1. Ralf

    Als jemand der auch gerne Games spielt stand ich den Argumenten der Piratenparte zur Killerspieler Debatte schon vor Jahren skeptisch gegenüber.

    In Sachen Internet und Urheberrecht lassen sich mit Themen wie “Alles umsonst und kostenlos” schnell ein paar Wählerstimmen generieren.

    Wenn dann aber letzten Endes immer noch kein halbwegs schlüssiges Konzept zu erahnen ist in welche Richtung es denn nun konkret gehen soll, finde ich das mehr als beschämend.

    Vielleicht sind einige der Piraten auch noch zu jung und man hätte gut daran getan sich Leute aus dem früheren Fidonet und Usenet ins Boot zu holen :-)

    • Thomas

      @Ralf, dann gäbe es ständig Ermahnungen wegen der 72 Zeichen-Grenze pro Zeile :-) Ich les gerne im Usenet mit, aber die dort vertretenen Normen finde ich doch etwas abstrus. Aber Recht hast Du wohl, dass zu wenig geeignete Personen in de. oberen Positionen zu finden sind.

  2. Viktor

    Das liegt daran, dass die Piraten eine Partei voller Individualisten sind, die sich keiner Regel unterordnen wollen. Der Name kristallisiert sich immer mehr und mehr seiner Herkunft, nämlich den echten Piraten auf See, die auch nur ihre eigene Ordnung kennen. Sie Unterwerfen sich nicht einmal anderen Piraten und führen ständige Rivalitätskämpfe. So auch diese ständigen Personalmätzchen.

    Für mich waren sie von Anfang an eine Lachnummer, auch wenn ich die ursprüngliche Idee, die dahinter stand, für sehr gut halte!

  3. Henning Uhle

    Tag! Sehr gut geschrieben. Ich hatte auch wesentlich mehr von dem Verein erwartet. Mittlerweile kann ich den Haufen nicht mal mehr als Partei bezeichnen, obwohl sie das sind.

    Es gibt den einen oder anderen guten Ansatz bei den etablierten Parteien. Mittlerweile haben sich die Piraten doch eigentlich selbst erübrigt.

    Ich habe vor einiger Zeit zu einem anderen “Vorfall” einen ähnlichen Artikel verfasst:

    http://www.henning-uhle.eu/wirtschaftsozial/die-piraten-ein-anflug-von-geschmacklosigkeit

    (Da wir über den Webmaster Friday in Kontakt stehen, hast du sicher nichts gegen den Link)

    Dass die Piraten es auch besser können, zeigen sie ja. Nur eben zu selten und mit viel zu viel Grundrauschen.

  4. Frank

    Bin grad fassungslos. Das sieht fast so aus, als hätte der Herr Ponader schon bei der ersten Replik geplant, das später zu veröffentlichen.

    Nix gegen Transparenz, aber das ist dann doch etwas zuviel davon.

  5. Thomas

    Ich habe mich schon immer für Politik interessiert und muss gestehen, dass ich der Piratenpartei anfangs durchaus freundlich gesonnen war. Aber wofür sie in politischen Themen steht, weiss ich eigentlich bis heute nciht. Das Internet als Hauptthema ist etwas mau.

    Ich arbeite mit Firmen u.a. in der Internetbranche zusammen und kenne in dieser viele Leute, die ein normal geschäftsmäßiges Auftreten haben. Von der Piratenpartei sehe ich Leute, die in Sandaletten mit Smartphone in der Hand in Talkshows sitzen. Das Bild, das so von der Internetbranche vermittelt wird, ist ja geradezu eine schlechte Karikatur – der Realität, jedenfalls meiner, entspricht es nicht.

    Ein Einzug in den Bundestag wäre m.E. beim derzeitigen Professionalisierungsgrad kontraproduktiv. Da müssen sich zunächst Strukturen des persönlichen Umgangs und des nicht-hampelmannhaften Auftretens bilden, dafür braucht es Zeit. Wichtig wäre mir zudem eine klare Position zu politischen Themen.

  6. Björn

    Hast du mal zufällig ein whois netzkind.net aufgerufen? Das ist ein Fake! Es wird viel Wirbel gemacht, aber auch viele Lügen erzählt. Also erstmal prüfen bevor hier irgendwas gesagt / geschrieben wird. Genau das ist es, was der Piraten Partei das Leben schwer macht!

    Registrant:
    Johannes Ponader
    netzkind.net, office #5173884
    c/o OwO, BP80157
    59053, Roubaix Cedex 1
    FR
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    DE
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    pd0qq1zhbxesuvksc50x@e.o-w-o. info

    • Mißfeldt

      dann ist das auch ein fake??? -> https://twitter.com/JohannesPonader/status/299473179339022336
      Wie war das mit dem “erst mal prüfen”???

      • Henning Uhle

        Und sowas meine ich. ich finde viele Ansichten der Piraten recht gut. Aber “das mit der Politik” haben sie nicht verstanden. Personenkämpfe trägt man doch nicht in der Öffentlichkeit aus. Und durch die grad tobenden Kämpfe fällt “das mit der Politik” leider hinten runter.

  7. Jürgen

    Tja, ein cleverer Schachzug, die Piraten mit in die Urheberrechtsdiskussion einzubeziehen. Und deutlich interessanter als die Doodle Berichterstattung, wenngleich beides meiner Ansicht nach populistische Züge trägt.

  8. Dave

    Guter Artikel! Ich stand den Piraten von Anfang an eher skeptisch gegenüber, habe mich allerdings dennoch gefreut, dass sie viel Bewegung in die politische Landschaft gebracht haben.
    Die augenblickliche Entwicklung ist allerdings schlimmer als alles, was ich erwartet hätte. Schade. Hoffentlich wird sich da einiges wieder bessern.

  9. Tim

    Grundsätzlich sehe ich in den Piraten mehr eine Bewegung als eine seriöse Partei. Viele Individualisten versuchen eigene Interessen durchzusetzen, so dass ein grundsätzliches Konzept fehlt. Der Erfolg war wahrscheinlich nur möglich, weil viele Protestwähler die Stimme für die Piraten abgaben. Aber mir kann leider keiner erklären, wofür die Piraten stehen und wohin die Reise gehen soll.

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  1. [...] ich hatte mal die Hoffnung, dass mit ihnen mehr möglich ist. So wie Martin Mißfeldt, der auch dachte, sie könnten etwas bewegen. Also stehe ich da mit meinem Eindruck nicht allein in [...]

Martin Mißfeldt

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