Diese Website verwendet Cookies. Mehr erfahren ... OK, kein Problemclose-Button

Case Study: Sichtbarkeitsindex und Traffic im Vergleich

Sichtbarkeitsindex - Traffic Vergleich

Sichtbarkeitsindex – Traffic Vergleich

Vor kurzem gab es eine lebhafte Debatte über den Sinn und die Aussagekraft des Sichtbarkeitsindex. Angefangen hatte Julian, der mit „Pfeif auf die Sichtbarkeit“ lospolterte. Gretus hat dann einige Experten nach ihrer Einschätzung befragt. Was mir in der ganzen Diskussion irgendwie fehlt, sind konkrete Beispiele. Zwei möchte ich im Folgenden liefern. Die Trafficzahlen von zweien meiner Projekte im Vergleich zum Sichtbarkeitsindex von Sistrix und Searchmetrics. Es könnten natürlich auch Xovi oder Seolytics sein.

Für die, die nicht genau wissen, worum es geht, eine kurze Einleitung. Die Seo-Toolanbieter sammeln für jede Domain die Anzahl und Position aller Keywords aus dem analysierten Keywordset. Daraus generieren sie den sog. Sichtbarkeitsindex. Der errechnet sich aus der Anzahl der Keywords, für die die Domain in den Top-100 rankt, dem Gewicht der Position (je weiter vorne, um so besser), sowie einer spezifischen Gewichtung der traffic-Relevanz des Keywords. Wahrscheinlich fließen noch weitere Werte mit ein.

Projekt 1

Bei Projekt 1 handelt es sich um eine Seite, die ca. 1.200 Besuche pro Tag hat, mit etwa 2.200 Seitenaufrufen. Die Seite ist recht alt und insgesamt sehr sauber. Sie bezieht ihren Traffic zu ca. 60% aus Suchmaschinen, den Rest über Links. Die Seite ist im Social-Web nur wenig präsent. Ich habe die folgenden Kurven in der Breite skaliert, damit sie übereinstimmen.

Domain 1: Sichtbarkeitsindex von Sistrix und Searchmetrics - im Vergleich zum Traffic.

Domain 1: Sichtbarkeitsindex von Sistrix und Searchmetrics – im Vergleich zum Traffic.

Man erkennt, dass der Sichtbarkeitsindizes einigermaßen gut übereinstimmen. Interessanterweise gibt es bei der Messung sowohl bei Sistrix und Searchmetrics zwei Peaks, die sich so deutlich nicht im Traffic abbilden. Das spricht für mich dafür, dass die Berechnung beider Indices sehr ähnlich funktioniert – und beide haben geringfügige Schwächen bei der traffic-Bewertung einiger Keywords. Aber: insgesamt stimmen Sichtbarkeitsindex und Traffic erstaunlich gut überein.

Projekt 2

Kommen wir nun zu Domain Nummer zwei. Diese hat ca. 400 Besucher pro Tag, aber ca. 1.600 Seitenaufrufe. Dazu unten mehr. Der Sichtbarkeitsindex ist im Vergleich zu anderen Domains sehr gering. Hier zunächst die Kurven:

Domain 2: Sichtbarkeit von Sistrix und Searchmetrics im Vergleich zum Traffic.

Domain 2: Sichtbarkeit von Sistrix und Searchmetrics im Vergleich zum Traffic.

Man erkennt sofort, dass das nicht passt. Wer nur den SI der Domain sieht, würde wohl kaum vermuten, wie viel traffic die Seite tatsächlich hat. Die Erklärung ist sehr einfach: die Domain bezieht 90% ihres Traffics aus der Google Bildersuche. Im organischen Ranking ist sie praktisch nicht vertreten. Das Beispiel soll zeigen: auch über Domains, die nur eine sehr geringen Sichtbarkeit haben, kann eine Menge echter Traffic laufen.

Fazit: der SI ist sehr hilfreich, wenn man die Zahlen interpretieren kann

Für mich ist bei der seo-technischen Beurteilung einer Domain das Traffic-Volumen entscheidend. Wie viele echte Menschen interessieren sich für die Inhalte? Die beiden Beispiele oben zeigen: der reine Sichtbarkeitsindex gibt keinen wirklich sicheren Eindruck über das Traffic-Volumen einer Domain. Wer den SI benutzt, um eine Domain zu bewerten, sollte folgende Überlegungen im Hinterkopf haben:

  • Hat die Domain Besucher über die Bildersuche?
  • Hat die Domain relevanten Traffic über andere Vertikals (News, Blogs, Videos, Local…)
  • Hat die Domain relevanten Traffic über Bing?
  • Hat die Domain relevanten Traffic über Social Media?
  • Hat die Domain relevanten Traffic über Email-Marketing?
  • Für wie viele Keywords rankt die Domain überhaupt?
  • Gab es signifikante Einbrüche? Achtung: das muss nicht zwingend bedeuten, dass die Domain von Google abgestraft wurde.

Update

Eisy hat mal eine Reihe von Domains untersucht, die hauptsächlich ihren Traffic über die organische Suche bekommen. Und eine hohe Übereinstimmung zwischen Traffic und Sichtbarkeit aufgezeigt, siehe hier. Das finde ich auch erstaunlich, wie ich oben auch geschrieben habe. Aber: das verleitet eben auch leicht dazu, es zu verallgemeinern. Das Ganze funktioniert eben nur dann, wenn man bei einer eher unbekannten Domain abschätzen kann, wie viel Traffic über die organische Google-Suche kommt. Das wollte ich mit diesem Artikel zeigen: aus dem SI kann man das nicht ablesen. Logisch, sagen viele zurecht :-)

Aktuelle Artikel zum Thema

Weiterlesen

Kategorie: SEO Stuff   Autor: Martin Mißfeldt

Werbung von Karl Kratz:

19 Kommentare zu "Case Study: Sichtbarkeitsindex und Traffic im Vergleich"

  1. Schulze

    Top Analyse zu der ich noch ergänzen kann, dass es auch darauf ankommt, wo sich der traffic abspielt auf Unterseiten, Blogs und redaktionellen Inhalten. Vielfach ist ein Mega longtail im SI und Co. Nie (oder fast) nie abgebildet! Wollen wir mal hoffen, dass es bald mal eine Verknüpfung der Tools mit echten Zahlen gibt! Warum denn nicht. Transparenz könnte sicher nicht Schaden.

    • Constantin

      Servus Tom,
      in der Searchmetrics Suite lassen sich Ranking-Daten mit Traffic-Informationen verknüpfen.

      @Martin: Vielen Dank für Deinen Artikel! Der Bezug zu realen Projekten veranschaulicht die Möglichkeiten von Visibility-Werten ohne zu pauschalisieren.

  2. Hanns

    Der Sichtbarkeitsindex ist, zumindest bei SISTRIX, eine Kennzahl für die Sichtbarkeit der organischen Rankings bei der Websuche von Google, um den Erfolg von SEO-Maßnahmen zu beurteilen. Haben sich unter dem Strich die organischen Rankings verbessert oder verschlechtert? Genau diese Frage soll er beantworten. Das muss man deutlich vom Traffic unterscheiden. Den kann man besser und einfacher z.B. durch Google Analytics messen.

    Es gibt mehrere Ursachen, warum die Sichtbarkeit und der SEO-Traffic (temporär) voneinander abweichen können. Zu den wichtigsten Gründen zählen Ereignisse wie Wetter, Feiertage, Ferien und der Saisonverlauf des Suchvolumens. Diese externen Traffic-Effekte sollen absichtlich nicht in den Sichtbarkeitsindex einfließen, da sie die Aussagekraft zur Beurteilung der SEO-Maßnahmen „verrauschen“ würden.

    Wenn der Sichtbarkeitsindex fält, dann bedeutet das ganz klar, dass sich die organischen Rankings verschlechtert haben und nicht „eventuell war es auch nur der Feiertag, das lange Wochenende und das schöne Wetter, so dass niemand am Computer saß“ (Rauschen).

    Traffic über die Bildersuche, Social Media oder andere Kanäle sind noch einmal eine ganz andere Sache und stehen in keinem Zusammenhang mit den organischen Rankings der Websuche.

    • Mißfeldt

      Hi Hanns,
      danke für die Ergänzung. Du hast natürlich vollkommen recht. Aber immer noch lese ich häufig, dass Sichtbarkeit und traffic in einem Zusammenhang genannt werden. Die Beispiele sollten noch einmal deutlich machen, dass es nicht zwingend miteinander zu tun hat.

      Btw: berechnet ihr den SI nicht auch anhand einen Trafficprognose für jedes Keyword? Für Domains, die hauptsächlich über das organische Ranking Besucher bekommen, klappt das ja auch ganz gut.

      • Alex

        Also ich finde SI und organische Traffic, haben wohl miteinander zu tun.
        Mit nicht organischen Traffic hat der SI nichts zu tun.
        Wenn man den SI mit gesamten Traffic vergleicht, hat man den SI nicht verstanden meiner Meinung nach.

        • Mißfeldt

          Stimmt genau. Aber ich vermute, es gibt immer noch viele, die das dennoch in einen Topf werfen. Daher der Artikel :-)

  3. Ben

    Danke für den Artikel; es freut mich, dass mal jemand dem Thema mal mit konkreten Beispielen und etwas mehr Sachlichkeit begegnet.

    Gleichzeitig sind deine Beispiele in der Form wenig aussagekräftig. Es sollte nur der organische Suchmaschinentraffic von google.de in Analytics herangezogen werden. Denn Sistrix und andere Tools haben nicht den Anspruch, Traffic aus der Bildersuche oder Traffic von externen Referrern abzubilden.

    Dennoch danke und vielleicht wirst du deinen Artikel ja noch ergänzen.

  4. Michael

    Die meisten Webseiten beziehen ihren Traffic über den Brand. Dieser ist bekanntermaßen nahezu unabhängig von der Sichtbarkeit (da i.d.R. immer auf der 1). Sinkt die Sichtbarkeit und es geht ein oder mehrere Rankings verloren, äußert sich das im generischen Traffic meist nur minimal. Beispiel: Verliere ich das Ranking für Hinkelsteine mit der Obelix GmbH, rutscht Hinkelsteine vielleicht von 3 auf 12, was mich z.B. 0,3 Sichtbarkeitspunkte kostet. Der Hinkelsteintraffic rutscht von 120 auf 30, allerdings habe ich durch den Brand Obelix GmbH sowieso immer 2500 Besucher im Monat. Im Gesamttraffic ist der Sichtbarkeitverlust daher kaum zu bemerken.

  5. SEOdiot

    Solche Unstimmigkeiten zwischen Sichtbarkeit und Traffic sehe ich schon seit Jahren, weshalb ich diese Kurven nie ohne entsprechende Vorsicht betrachte. Ein großes Problem stellen für mich dabei die überwachten und bewerteten Begriffe mit Jahreszahlen dar. Websites wie die Vogue werden an Begriffen wie „frisuren 2010“ oder „sommermode 2008“ gemessen. Was natürlich Blödsinn ist, weil das echt kein Mensch mehr sucht und solche Platzierungen absolut irrelevant sind. Dennoch räumt keiner der Toolbetreiber diese Begriffe mal richtig auf oder aktualisiert sie in angemessenen Intervallen. Umgekehrt kommen nämlich derzeit mehr als 50% unserer Besucher von Google über Begriffe mit „2013“, aber davon findet sich kein einziges in den Tools. Natürlich haben wir die wichtigsten dieser Begriffe in den entsprechenden Projekten der Tools selbst hinzugefügt, aber das fließt wiederum nicht in die allgemeine Sichtbarkeit ein. Wäre schön, wenn Sistrix oder Searchmetrics hierzu mal eine Lösung finden würden.

  6. Sabrina

    Hi Martin,

    super, dass du mal was mit Beispielen gemacht hast. Bis jetzt wurde das Thema ja nur sehr theoretisch behandelt. Hier wird schön deutlich, dass der SI nicht zwingend in direkter Verbindung mit dem Traffic steht. Natürlich ist die Kennzahl wichtig, aber man sieht, dass sie auch ihre Schwächen hat. Neben SM, Videos, etc. gehört auch Universal Search dazu. Man sieht also, dass man sich immer einen Gesamtüberblick verschaffen muss und sich nicht auf einzelne Kennzahlen versteifen darf.

  7. Marc

    Würde mich auch Hanns anschliessen. Die Indizes sind eher Hinweise drauf wie sich SEO-Maßnahmen auswirken. Da es viel zu viele Variablen gibt, kann man eher schlecht auf Trafficauswirkungen schliessen.
    Weiterhin ist die Sache mit dem LongTail auch ausschlaggebend finde ich. Zum Beispiel gibt es speziell im Elektrobereich extrem viel davon. Dieser wird aber kaum von den Tools erfasst (Besonders nicht von Sistrix ;).

    Zur Komplexität der Sache hat Tobias Schwarz auch einen super Artikel geschrieben:
    http://www.tobias-schwarz.com/artikel/2/

    • Wolfgang

      Interessant, dass Du im Bereich Elektrotechnik die gleichen Erfahrungen machst wie ich.
      Auch ich bekomme fast nur organischen Traffic im LongTail.

      Zudem korreliert mein Traffic, auch wenn das Thema Elektrotechnik sich nicht sehr saisonal anhört, eher mit den Jahreszeiten als mit irgendwelchen Sichtbarkeiten.

  8. Ullrich Bemmann

    Wichtig ist auch, dass die Sichtbarkeitsindizes sich anhand von gegebenen Keywordsets berechnen, das wohl anhand einer bestimmten Relevanz des Themas im Internet ermittelt wird. Wer ein „abseitiges“ Feld beackert, steht somit schlechter da, da er für diese Keywords nicht ränkt (soll das englische Wort sein aber ohne ä sieht das blöd aus). Oder anders ausgedrückt: Die Korrelation zwischen Traffic und Indizes fällt schwächer aus.
    Auffällig finde ich, wie ähnlich sich Sistrix und Searchmetrix-Index sind. Das deutet auf eine ähnliche Zahlenbasis hin…

    • Mißfeldt

      ja, die Übereinstimmung finde ich auch erstaunlich :-)

  9. Dennis

    Bei Sistrix fließen nur 250.000 Keywords in die Berechnung des SI ein! Wenn man also zu 1000 Keywords rankt und nur 2 davon im Set sind, die man evtl verliert, passiert vom Traffic her überhaupt nichts obwohl der SI sinkt. Es ist also absoluter Schwachsinn sich auf den Si zu verlassen. Die Datenbasis ist dafür bei Sistrix viel zu klein!

  10. Andreas

    Schön, dass man durch den Sichtbarkeitsindex keinesfalls auf den Traffic schließen kann. Auch nur der reine organische Traffic kann damit nicht ermittelt werden. Vielen ist dieser Index immer noch wichtiger, als viele andere Faktoren die viel entscheidender sind.

  11. Jürgen

    Bei mir schwankt die SI-Sichtbarkeit um 0,25-0,12 aber am Traffic hat sich nix geändert, ich glaube auch das es die reltiv kleine anzahl der keywords ausmacht, wenn man mehr im long tail unterwegs ist könnte es nicht so gut passen.

Einen Kommentar hinterlassen

: (*erforderlich, Keyword- Name = URL-Löschung)

: (*erforderlich)

:

Bitte löse diese Aufgabe (Spam-Schutz): * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.

Pingbacks

  1. Ich bin praktisch unsichtbar…

    Ich selbst bin natürlich nicht unsichtbar, hoffe ich zumindest. Obwohl es manchmal auch ganz praktisch wäre. Fast unsichbar ist aber meine “Putzlowitscher Zeitung” im Internet, wenn ich mich in diversen Tools und bei deren Sichbarkeitsindiz…

  2. […] schrieb heute den Artikel „Case Study: Sichtbarkeitsindex und Traffic im Vergleich“ und auch vorher schrieben bereits andere Blogger über solch ein Thema. Sein Artikel jedoch war […]

Martin Mißfeldt

Autor: (Künstler, Firma DUPLICON Berlin) über Bilder, die Bildersuche im Internet sowie Bilder- und Video-Optimierung. Mehr

Werbepartner

Kategorien

Werbepartner

KFZ-2012

Blogroll