Was soll das denn? Sind die Ghostwriter von 15 deutschen Promi-(Blogger)-Journalisten von allen guten Geistern verlassen? Ein nächtlinks fett platzierter Mediabait führt die eigens aufgestellten Thesen postwendend ad absurdum. Beim Lesen dieses Manifestes fiel mir sofort ein Slogan meiner Jugend ein: “Im Asbach Uralt liegt der Geist des Weinens!” – Jepp, dass isses. Aber was soll das? Fürchten die Erfolgsblogger um Quoten? Wollen sie die Gunst der Stunde nutzen und die linken Parteien weiter zum Selbstzerfleischen animieren? Oder haben sie beim Rudelkiffen das Tape mitlaufen lassen? … Wie auch immer – das selbstbeweihräuchernde Internet-Manifest ist ein krasser Angriff auf die Spaßgesellschaft und schreit nach einer rüden Gegenattacke. Ich nenne es “Das Internet-Moneyfest”.
1. Das Internet ist genauso.
Es ist kein Stück anders. Es ist Teil der selben kaputten Welt. Internet-Journalisten sind auch nur Menschen, die zuhause vorm Fernseher lümmeln oder sich in der U-Bahn am Sack kratzen.
2. Das Internet ist ein weltumspannender Kabelsalat.
Das Web basiert auf weltweiter Verkabelung, die von anderen finanziert oder subventioniert wurde. Online-Journalismus im Web setzt sich in gemachte Nester.
3. Das Internet ist nicht die Gesellschaft.
Für die Mehrheit der Menschen in der westlichen Welt gehören Angebote wie Popstars, Ballermann und McDonalds zum täglichen Leben. Wenn Internet-Blogger eine Existenz wollen, müssen sie die Lebenswelt der Nutzer verstehen und sich ihrer Kommunikationsformen annehmen. Hochtrabende, nichts-sagende Manifeste verschrecken die Zielgruppe.
4. Die Freiheit des Internet ist antastbar.
Zensursula ist real. Statt im Duktus schöngeistiger Umnachtung die Welt mit Larifari-Manifesten zu bombardieren, sollte man lieber mal konkret werden.
5. Das Internet ist das Ende der Wissenskultur.
Während für einzelne Menschen bisher wenigstens Allgemeinbildung auf Grundwasser-Niveau erforderlich war, bildet das Internet das synaptische Ende zwischen Hirn und Welt. Selbst für Grundbedürfnisse des täglichen Lebens findet man das entsprechende How-To-Video (“How-to-piss-in-a-toilett”). Wenn Wissen sich weiterentwickelt, dann durch zufällig manipulierte Suchergebnisse.
6. Das Internet ist das Ende des Journalismus.
Es ist kaum anzunehmen, dass der Journalismus in einer durchs Assi-Web zunehmend verblödeten Gesellschaft noch irgendeine Rolle spielt.
7. Promiblogger verlangen Vernetzung.
Linkgeiz ist geil – zumindest bei Promibloggern. Die gerne praktizierte Zirkel-interne Verlinkung wird kaum Links durch andere generieren. Promiblogger sind zum Aussterben verdammt.
8. Links belohnen, Zitate zieren. Wen?
Suchmaschinen und Aggregatoren fördern den Ego-Journalismus: Sie erhöhen langfristig die Auffindbarkeit von jedweden Schwachsinn und sind so integraler Teil der neuen, vernetzten Öffentlichkeit. Ein vernetzter Gesellschaftsdiskurs ist nicht schützenswert, weil er als “Eliteblogger-Laberei” kaum Relevanz besitzt.
9. Das Internet ist der neue Ort für den hallozinogenen Diskurs.
Demokratie lebt von Beteiligung und Informationsfreiheit. Wenn der “neue” Journalismus für die aktive Beteiligung der Öffentlichkeit zuständig ist, wird die Demokratie bald mit rotem Hahnenkamm durch Talkshows gereicht und schwitzend stotternd oktruiert. Grelle Web-Drogen für das Volk…
10. Die neue Pressefreiheit heißt Meinungsfreiheit.
Im Internet sind Amateur-Journalisten auch Profis. Und die Profis verhalten sich wie Amateure. Deshalb sollten die Einnahmen der Profi-Blogger gerecht und anteilig unter allen Bloggern aufgeteilt werden. Denn: Freiheit kann man nicht fressen.
11. Weniger ist mehr– es gibt zuviel Information.
Die Flut unüberprüfter Information macht Pamphletisten, Enzyklopädisten und Journalisten zu kirchengleichen Eklektististen, die bewiesen wollen, dass mehr Informationen zu mehr Freiheit führt.
12. Bloggen ist ein Geschäftsmodell.
Mit journalistischen Inhalten lässt sich im Internet Geld verdienen. Gut so – für die, die damit Geld verdienen. Wer zuerst kommt, mahlt eben zuerst. Bloss nichts ändern, damit wir Euch weiterhin kraftvoll zuscheißen können.
13. Im Internet wird das Urheberrecht zur Bürgerpflicht.
[Dieser Passus ist so abstrus, dass mir nichts dazu einfällt] Es lebe das Urheberrecht! (Wie lange profitiert man eigentlich vom urheben?)
14. Das Internet kennt nur eine Währung.
Geld! Werbung! Geld! Geil! Mehr! Geld! Journalismus! Geil! Geld!
15. Was im Netz ist, bleibt im Netz.
Darum muss man es in guter Oberlehrermanier korrigieren. Auch dann, wenn es falsch ist.
16. Quantität bleibt die wichtigste Qualität.
Das Internet liebt gleichförmige Massenware. Die Ansprüche der Nutzer sind gestiegen. Gleichzeitig sinkt das Niveau der Nutzer mit zunehmender Verbreitung in höherem Maße. Journalismus muss sich entscheiden, welchem seiner oft formulierten Grundsätze er treu bleiben will.
17. Alle für 15.
Das Web stellt eine den Massenmedien des 20. Jahrhunderts überlegene Infrastruktur für den gesellschaftlichen Austausch bereit: Die “Generation Wikipedia” weiß im Zweifel gar nichts. Blogger mit Standesdünkel und ohne den Willen, diese Dummheit zu respektieren, werden von diesen Nutzern nicht ernst genommen. Zu Recht. Nicht der besserwissende, sondern der kommunizierende und hinterfragende Journalist ist gefragt. – In der Tat!
Hier gehts zum “Original Internet Manifest”
Internet, Satire -Abteilung, 07.09.2009
Für die, die es nicht verstanden haben: dieser Artikel ist eine kritische Persiflage. Im Grunde habe ich gar nichts gegen die Behauptungen, die in dem Manifest aufgestellt wurden. Nur: Wenn 15 deutsche Top-(Blogger)-Journalisten einen gemeinsamen Text verfassen, kann man ja wohl etwas mehr als nur abgedroschene Wischi-waschi-Formulierungen auf Abi-Zeitung-Niveau erwarten. Für den Desinteressierten unverständlich und für Interessierte an den Haaren herbeigezogen.
Es kommt mir so vor, als wenn die versammelte Mannschaft mit imperativem Wir die Gunst der Wahl-Stunde nutzt, um sich selbst – und nur sich selbst – zu manifestieren. Fazit: die richtige Botschaft von falschen Botschaftern… Abgesehen davon ist das Gefasel von Opa Burda natürlich noch schlimmer…
Andere Meinungen von Kollegen:
- Seo-United: Internet Manifest – Der Witz des Jahres

Internet Manifest (Moneyfest) Top 17 Journalismus-Thesen
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Tags: Journalismus, Politik, Satire
Kategorie: Allgemein
| 21 Kommentare













7. September 2009 um 21:59 Uhr
Pelle sagt,
Haha, sehr geiler Rant. Danke :) Made my day… :)
7. September 2009 um 22:08 Uhr
Internet-Manifest « Heinkas DNs & DN-News sagt,
[...] bzw.: tagseoblog.de [...]
7. September 2009 um 22:25 Uhr
Franky sagt,
Wenn ich sehe, wie viele Knallchargen das Manifässchen auch noch unterschreiben, wird mir Angst und Bange.
Schön, dass ich Deine verbesserte Version gefunden habe.
Betablogger für die Alphablocker!
7. September 2009 um 22:58 Uhr
rosebud sagt,
das traurige ist: entscheidungsträger, die oft nicht das geringste mit dem internet und seinen strukturen am hut haben, werden dieses “manifest” durchaus ernst nehmen und diesen www (wichtigtuerischen web wichteln) weiterhin das geld wie zuckerguss in den arsch blasen.
sie nennen sich “internetexperten”, werden nicht müde dies zu betonen, halten ihre fresse in jede kamera und haben in wirklichkeit nicht den geringsten schimmer. sie behaupten für uns zu sprechen, doch haben keinerlei einblick.
das internet ist NICHT populär. das internet IST, und damit hat es sich. nicht mehr, nicht weniger.
es ist wirklich an der zeit, diese “popkulturisten” wegzuekeln (und das ist einfacher als man denkt).
mfg
8. September 2009 um 07:23 Uhr
Internet-Manifest von ein paar Bloggern - eisy sagt,
[...] Eigenwerbung sein. Ach ja, all die Leute stehen natürlich für Qualitätsjournalismus! Nicht fürs Moneyfest? Ein sehr guter Lesetipp – auch für Lobo & Friends! [...]
8. September 2009 um 09:17 Uhr
Linkbait für Anfänger sagt,
[...] eher eine schwache Leistung. Ein paar kritische Anmerkungen zu den Thesen gibt es im Übrigen hier. Du kannst Beiträge dieses Blogs per RSS-Feed abonnieren oder einen Trackback auf deiner [...]
8. September 2009 um 09:59 Uhr
pare sagt,
Du sprichst mir aus dem Herzen. Thx!
8. September 2009 um 10:57 Uhr
Norman sagt,
sehr gut..danke dafür :-)
8. September 2009 um 11:05 Uhr
*indigoidian.de* » Blog Archive » Irgendsoein Manifest. sagt,
[...] und jetzt die 17 wirklich wahrhaftigen Thesen zum Thema Journalismus im Internet, das Internet-Moneyfest. Find ich fantastisch. Macht irgendwie mehr [...]
8. September 2009 um 11:41 Uhr
Lesetipps für den 8. September | Blogpiloten.de - das Beste aus Blogs, Videos, Musik und Web 2.0 sagt,
[...] Internet Moneyfest – die wahren Top 17 Journalismus-Thesen: Tagseoblog mit einem Gegenmanifest und den aus seiner Sicht wahren Top 17 Thesen zum Journalismus. [...]
8. September 2009 um 14:17 Uhr
Internet-Manifest: bloß nicht lesen, bearbeiten oder weiter erzählen sagt,
[...] getan und die 17 Moneythesen verfasst. Die können sich durchaus sehen lassen und sind einen Webausflug wert. Eine andere Persiflage zeigt eine Fotomontage von einigen der Blogger in doch sehr [...]
8. September 2009 um 14:21 Uhr
Reiner sagt,
Ich möchte ein schlichtes “Word!” hier lassen.
Dieser inzestuöse Haufen darf sich gerne gegenseitig auf die Schultern klopfen, bis es kracht.
Was er nicht darf: denken, er könne für mich sprechen. Das mach ich dann doch lieber selber.
8. September 2009 um 15:27 Uhr
Schön, dann muss ich es nicht tun — Querblog.de sagt,
[...] Internet Moneyfest – die wahren Top 17 Journalismus-Thesen | tagSeoBlog | Link Umso enttäuschender ist die geballte Mittelmäßigkeit, die aus den Behauptungen und ihrer [...]
8. September 2009 um 15:45 Uhr
omBuzzer.de sagt,
Wenn das Manifest zum Moneyfest wird…
[...] Aus dem Internet-Manifest ist ein Moneyfest der Selbstbeweihräucherung geworden.
Das Moneyfest scheint bei so manchem Blogger und Publisher wesentlich besser anzukommen. [...]…
8. September 2009 um 15:56 Uhr
SEOux Indianer sagt,
Schön, Dein Punkt 7. Das ist mir das größte Übel. Diese PR-Blogger und Kommunikationstrainer und Social Media Gurus bloggen 3 bis 12 Artikel am Tag und verlinken nicht ein einziges Mal auf andere interessante Quellen. Maximal auf Spiegel Online ganz unten am Ende des Gedankenergusses mit “Quelle: blabla”.
8. September 2009 um 22:03 Uhr
Das Internet ist anders | [Gregel Dot Com] sagt,
[...] schonmal ein guter Lacher, ebenso wie… 1. Das Internet ist [...]
8. September 2009 um 23:35 Uhr
void() sagt,
http://internetisshit.org
Die Erkentniss ist nicht neu.
10. September 2009 um 19:10 Uhr
Das Internet-Manifest: “17 Behauptungen” und viele Allgemeinplätze sagt,
[...] paar andere Reaktionen werde ich die Tage noch posten und twittern – das “wahre Moneyfest” schon mal als [...]
12. September 2009 um 03:09 Uhr
Offensichtlich Suchmaschinenoptimierung – Sind Seos Schweine? | tagSeoBlog sagt,
[...] Internet Moneyfest – die wahren Top 17 Journalismus-Thesen [...]
13. September 2009 um 22:26 Uhr
der sprecher sagt,
Jepp! Diese Thesen haben scho mehr Gehalt, als das dünn angerührte Vorbild.
Mehr Thesen gibts hier:
http://www.stupidedia.org/stupi/Das_original_Internet-Manifest
14. September 2009 um 01:04 Uhr
Blogistan Panoptikum KW37 2009 auf datenschmutz.net sagt,
[...] Der selbsternannte deutsche Twitteradel hat diese Woche ein hochpathetisches Internetmanifest veröffentlicht. Nachzulesen zum Beispiel bei Stefan Niggemeier: eigentlich nicht besonders lesenswert und fast als peinlich einzustufen, hat der TExt doch sein Gutes, nämlich eine wesentlich amüsantere Gegenbewegung: das Internet Moneyfest. [...]