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Kerner schockiert über Twitter-Fake – ZDF-Medienexperten-Talk

Johannes B. Kerner Skandal

Johannes B. Kerner Skandal

Eieiei, das Zunehmend Debile Fernsehen ZDF hat sich gestern Abend mal wieder mit Ruhm bekleckert. Und zwar dem zweifelhaften, die dümmsten Anchormen der Nation in ihren Reihen zu haben. Das zweite Deutsche Fernsehen (auch 2. schwarzer Kanal genannt) wird immerhin durch öffentlich-rechtliche Gelder finanziert. Leider verplümpert man dort meine GEZ-Beiträge  in Talk-Show-Talker und Nachrichten-Experten, deren mediales Verständnis unterirdisch ist. – Hoho, brrrr, ruhig bleiben… Der Reihe nach.

Hier zunächst die Passage aus der gestrigen Show von Johannes B. Kerner:

Kurz zum Inhalt: Der brave Bruder Johannes entdeckt bei Twitter, dass jemand anderes unter seinem Namen einen Twitter-Account betreibt. Johannes ist entsetzt: „Das ist also ein völliger Unsinn“. Soweit sogut. Und dann sagt er doch glatt noch „Zumindest für journalistisches Arbeiten“. Womit er die ganze Peinlichkeit erst ins Rollen bringt. Denn ein beleidigter JBK wäre akzeptabel gewesen. Ich kann schon verstehen, wenn man unter seinem Namen einen Account findet. Man erschrickt natürlich und ist verunsichert, wofür  der eigene Name da wohl benutzt wird. Aber: das Ganze dann als „allgemeine journalistische Qualitätsdebatte“ aufzuziehen, ist extrem peinlich. Das wurde schon deutlich, als die versammelte „Qualitäts-Journalismus-Mannschaft“ ihren Sermon dazu abgab. Ich gebe das mal kurz wieder, weil es so schön unglaublich ist:

  • Kerner klappt sein Laptop zu: „Ich hoffe, sie alle – insbesondere die Anwesenden [Journalisten] haben nichts dagegen, wenn ich diesen Affen sosssannh …“ (Der Rest geht im lauten Geklatsche unter.
  • Steffen Seibert: „Ich seh das genauso. Ich wüsste nicht was ich damit sollte.“ Äh, womit? Mit Twitter, oder dem Account?
  • Steffen Seibert: „Aber: beispielsweise im Iran – war Twitter ein wirklich wichtige Quelle.“ Äh, was denn nun?
  • Steffen Seibert: „[…] dann kriegst du… haben wir in Mainz in der ZDF-Nachrichtenredaktion eine Menge wichtiger Informationen via Twitter bekommen.“ Aha, also doch.
  • Steffen Seibert: „Aber das sind Ausnahmesituationen…“ Ach so. Twittern sollte man nur im Iran, oder?
  • Kerner wirft ein: „Die zu checken sind … Die gegenzuchecken sind.“ Guter Journalist, vorbildlich.
  • Seibert zustimmend: „…die du dann checken musst – und dann kannst Du auch über facebook – gabs dann auch … “ Ah so, dass ZDF checkt also seine Quellen via Facebook. Logisch, da gibts ja keine Fake-Accounts.
  • Seibert: „Da werden diese ganzen Sachen plötzlich dann doch mal wichtig“ Oups – also wie: Twitter und facebook sind nur bei Krisenthemen ernst zu nehmende quellen, oder was?
  • Und dann (ich glaub, ich verhör mich) Seibert: „Aber in Deutschland, äh, brauchen wir es …“ (dann wird er von Kerner unterbrochen, bevor er das aus der Geste klar erkannbare „…nicht“ aussprechen konnte.

Der Rest ist dann nur noch Gezwitscher, aus dem man den selbstkritischen Wolf von Lojewski dankbar herausheben muss. Der sieht immerhin ein, dass er seinerzeit auch nichts vom Computer gehalten hat. Und kleinlaut bemerkt er: „Was wären wir heute ohne das Internet“.

Johannes B Kerner Twitter-Fake-Account

Johannes B Kerner Twitter-Fake-Account

Soweit zur Story, hier ein paar Anmerkungen:

1. Wie dämlich ist diese Sache denn da von der Redaktion aufgezogen worden: Zunächst ein persönliches Beleidigtsein, dass dann in eine Art Twitter-Schelte ausartet, die dann auch noch (als alle merken, was für dummes Zeug sie reden), so wischiwaschi-larifari zuende geschwafelt wurde. Ein echtes Greisen-Konzil.

2. Was hätte man aus der Nummer alles machen können. Es gibt dutzende Wege, wie man aus der Sache etwas Lustiges oder Interessantes hätte machen können. Ein angepinkelter Kerner war wohl der schlechteste Ratgeber.

3. Es war hoffentlich nur so dahingeredet, als Seibert meinte, man nehme nur Twitter-Nachrichten aus dem Iran, sprich Krisenregionen ernst. Was ist das denn für ein journalistisches Verständnis. Heißt dass, man kann mit einem gefakten Twitter-Account aus dem Iran ins Fernsehen kommen. Mal eben ein Massaker getwittert, irgendein geflipptes Massakerphoto auf twitpic, und ab mit der Story ins heute-Journal? Und wenn ich einen facebook-Account habe, dann bin ich als Quelle sogar verifiziert?

Es ist offensichtlich, dass man im ZDF – und ich befürchte, dass gilt auch für die anderen Sender – nicht weiß, wie man mit Twitter und Co. umgehen soll. Hatte nicht Seibert noch kurz zuvor eine der zahlreichen Wahlsendungen moderiert, die immer stärker die twitter-Reaktionen in ihre Shows einbeziehen? Ist Twitter nur sinnvoll, wenn das ZDF Twitter instrumentalisiert?

Nur zur Klarstellung: Promi-Fake-Accounts sind natürlich ein Problem. Ich will das gar nicht in Frage stellen. Aber einem Millionenpublikum (davon träumt er wohl) das so zu kommunizieren, ist fahrlässig, oberflächlich und dumm.

Kurzum: eine Meilenstein der Peinlichkeit. Ich vermute, dass die Experten-Meinungen nur „gespielte“ Solidartität mit JBK war. Aber auch das ist irgendwie kaum zu ertragen. Harald Schmidt, übernehmen Sie …

Danke an Peter Hogenkamp, bei dem ich die Story gefunden habe (ich schaue nie Kerner, Schmidt sein Dank): „Kerners künstliche Aufregung über Twitter„. Auch Anja wundert sich bei Silicon.de über die Sendung: „Kerner moniert sich über Twitter„. Und sehr klare Worte findet auch Stefan von Web-Ideas: „Twitter ist wie die Pest – #fail Herr Kerner„. Und, eben erst bemerkt: als erstes hatte bereits gestern direkt nach der Sendung Jörg von Schieb.de darüber gebloggt: „JBK (Johannes B Kerner) findet Twitter “die Pest”„. Auch Basicthinking hat etwas dazu zu sagen: „Kerners Twitter-Bashing: Kenn ich nicht, find ich doof.

Johannes B. Kerner Skandal - JBK entdeckt eigenen Twitter-Fake-Account

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Kategorie: Allgemein   Autor: Martin Mißfeldt

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6 Kommentare zu "Kerner schockiert über Twitter-Fake – ZDF-Medienexperten-Talk"

  1. Kinderbetten

    Das hat nur etwas mit dem Alter zu tun! Wäre Kerner 10 Jahre jüngern, dann wäre es auch sein richtiger Account gewesen und er hätte es verstanden.

  2. AMUNO

    Hi,
    mittlerweile bietet Twitter ja an, dass Promis ihre Accounts verifizieren können und somit auch die Möglichkeit haben, ihre Identität zu bestätigen.

    Eigentlich ein netter Film, den man Kerner sicher in ein paar Jahren unter die Nase reiben kann, nur um ihm zu zeigen, wie sehr er sich geirrt hat ;)

    Gruß

    AMUNO
    vom
    Literaturasyl

  3. Niedersachse

    Johannes B Kerner hat voll und ganz recht.

    Twitter braucht wirklich kein Mensch, es hat wirklich gar keinen Mehrwert und trägt nur zur allgemeinen Verdummung bei…

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  3. […] missgebildet aber ungebildet beweißt sich Johannes B. Kerner. Unfollow für Kerner: In seiner Talkshow im ZDF zog er über Twitter her und meinte, dass Twitter „die Pest sei“ und […]

Martin Mißfeldt

Autor: (Künstler, Firma DUPLICON Berlin) über Bilder, die Bildersuche im Internet sowie Bilder- und Video-Optimierung. Mehr

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