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Über die zunehmende Emotionalisierung des SEO-Diskurses …

Entsetztes Gesicht

Entsetztes Gesicht

Seit einiger Zeit beobachte ich in meiner Facebook-Timeline einen neuen Trend. Vielleicht ist es nur meiner Bubble geschuldet (dem Facebook-Algorithmus, der meine Beiträge filtert), aber egal: jeder kann ja selber entscheiden, ob im Folgenden ein Fünkchen Wahrheit steckt oder nicht. … Suchmaschinenoptimierung verschwimmt immer mehr mit Marketing, mit Usability, big-Data, künstlicher Intelligenz und so weiter. Zu gerne werden Erkenntnisse aus den jeweils anderen Bereichen aufgegriffen und im eigenen Kontext verarbeitet.

Gut so, würde ich sagen. Eine goldene Regel des Marketing, die nun verstärkt im Seo-Zusammenhang auftaucht, scheint zu sein: Emotionalisiere! Du verkaufst nicht mit Hilfe umfangreicher Sachinformationen, sondern dank Emotionen. Auch wenn ich glaube, dass das auf mich nur bedingt zutrifft, so ist es doch letztlich sehr plausibel. Ob die Emotionalisierung des SEO-Diskurses damit zusammenhängt, weiß ich nicht.

Auf jeden Fall sehe ich zunehmend emotionale Äußerungen auf Facebook, in denen sich persönliche und berufliche Fragen vermischen. Scheint ja auch ganz gut zu laufen, diese Strategie. Das führt allerdings immer öfter dazu, dass wilde Diskussionen entstehen, die weniger durch fachliche Pro & Contra geprägt sind, sondern vielmehr zu Glaubensdiskussionen ausarten.

Soweit die Beobachtung.

Dummes Gesicht machen :-)

Dummes Gesicht machen :-)

Ursache der adrenalinfördernden Debatten scheint mir in vielen Fällen eine ungeklärte Ausgangslage zu sein. Du machst noch SEO für Google!? Du kaufst Links!? Du kaufst Texte bei Text-Broker!? Oder schreibst Du etwa noch selber Texte!? Es gibt tausende von Fragen, die man kaum noch stellen kann, ohne befürchten zu müssen, einen Shitstorm zu ernten. Dabei sind alle diese Fragen relevant, und es gibt – je nach Perspektive – viele Antworten, die richtig sind. Es wäre falsch, nicht mehr darüber zu diskutieren. Aber genau diese Gefahr sehe ich.

Hier ein paar Überlegungen dazu:

  • Die Social-Media-Währung sind Reaktionen, also Likes, Shares und Kommentare. Je mehr man davon hat, um so erfolgreicher (Popcorn für alle).
  • Um Reaktionen auszulösen, sind emotionale Trigger oft hilfreich.
  • Facebook-Postings sind meist relativ kurz. Oft liegt in der Verkürzung aber keine Vereinfachung, sondern eine Verunklärung des Sachverhaltes.
  • Private emotionale Statements würzen – aber sie erschweren natürlich den sachlichen Diskurs.
  • Wenn eine Sache mit einer persönlichen Haltung verbunden wird, kann die Kritik an der Sache leicht als Kritik an der Haltung missverstanden werden.

Warum schreibe ich das?

Ich befürchte einen Verlust an Kritikfähigkeit – sowohl auf Seiten der Kritisierenden als auch auf Seiten der Kritisierten. Es ist aus meiner Sicht lohnenswert, wenn man klar und sauber (sachlich) kritisieren kann, ohne dass der Verdacht entsteht, dass man einen Menschen oder seine Haltung in Frage stellt. Auf der anderen Seite ist aber auch wichtig, dass man Kritik annehmen kann, ohne das man sich persönlich gekränkt fühlt. Nur eine gute „Kultur des Kritisierens“ lässt eine Community wachsen, und damit jeden einzelnen Teilnehmer. Ansonsten bleibt am Ende ein Battle zwischen Trollen und Chat-Bots.

Es ist für alle, die neu in das Themenfeld SEO / Online-Marketing einsteigen, von zentraler Bedeutung, die sachliche und die emotionale Ebene auseinander zu halten. Denn ein Hauen und Stechen in Social-Media-Bubbles bringt niemanden voran. Es ist im Grunde Zeitverschwendung. Dann ziehen sich diejenigen zurück, die eigentlich viel beizutragen hätten. Aber vielleicht ist das auch ein strukturelles Problem von Social-Media-Streams …

Soviel als Gedanken-Anstoß, was meint ihr dazu? Vollkommen aufgebauscht?

Entsetztes Gesicht

Entsetztes Gesicht

Kategorie: Allgemein   Autor: Martin Mißfeldt

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10 Kommentare zu "Über die zunehmende Emotionalisierung des SEO-Diskurses …"

  1. Volker

    Hallo Martin,

    Deine Beobachtungen gelten ja nicht nur für den Bereich SEO. Eigentlich ist es doch in vielen Bereichen (ich will nicht sagen überall) so.

    Ich denke da an einen Großteil der Facebookgruppen oder aber auch an viele Kommentare in Foren und Magazinen, Zeitungen etc. Eine sachliche Diskussion ist oft kaum möglich.

    Fakten? Wen interessieren heute noch, in unserer postfaktischen Zeit, Daten und Fakten.

    Der Bauch, die Wut und Emotionen, das ist heute im Zeitalter der Wutbürgen, Pegida etc. das Maß der Dinge.

    Warum sollte es dann im Bereich SEO anders sein?

    Schöne Grüße
    Volker

  2. LebensLangGesund

    Ich glaube es ist nicht nur die Kritikfähigkeit. Viele Leute denken sich gerade im Bereich der Socialmedia gar nicht mehr in den Gegenüber ein. Wenn ich sehe wegen welchen Kleinigkeiten Shitstorms los gehen ist das lächerlich. Man hat gar nicht die Zeit um sich mit irgendetwas auseinanderzusetzen und will eigentlich nur in seiner Meinung bestärkt werden.
    Die gleiche Herangehensweise passiert dann auch im echten Leben, bei Diskussionen. Dabei ist das Leben leider nicht so einfach, Dinge gerade im Marketing, die für den einen funktionieren sind für den anderen weniger passend.

  3. Dominik

    Die Rezeption von Medien und Medienangeboten, von fiktionalen Geschichten und Unterhaltungssendungen ebenso wie von Nachrichten und Informationssendungen ist getragen von Stimmungen und Gefühlen. Emotionen spielen in der menschlichen Wahrnehmung generell eine entscheidende Rolle. Ob wir in einer Situation Vorsicht walten lassen sollten oder ob uns soeben etwas Unerwartetes widerfährt, das uns Angst bereitet, sagt uns untrüglich unser ‚Gefühl‘.

  4. Torsten

    Hm, eines meiner Reizthemen, dass mich direkt emotionalisert. Liegt wohl an der persönlichen Vita. :D

    „Suchmaschinenoptimierung verschwimmt immer mehr mit Marketing, mit Usability, big-Data, künstlicher Intelligenz und so weiter.“

    Das ist glaub‘ einer der Punkte, warum ich mit vielen „Kollegen“ (?) gerne aneinandergeraten bin/aneinandergerate und warum ich mich so gerne über (vermeintliche) „Buzzwords“ aufrege: Denn es hat schon immer dazu gehört! Das was heute als „Fullservice/Onlinemarketing“ gebrandet wird, ist im Grunde eine Selbstverständlichkeit wenn ich Seiten unter der Direktive „Geiler Scheiß!“ baue: Mach‘ Sachen die Dir leicht fallen und mach‘ die richtig geil für andere Menschen; Sachen, die Du Dir auch als „Lebenswerk“ auf den Grabstein meißeln lassen würdest.

    Das Problem: SEO verändert sich. „Klassisches“, technisches SEO verliert immer mehr an Stellenwert. So wie der Webdesigner im Lauf der Zeit „vertoolt/verCMSt“ wurde, passiert das auch mit technischen SEOs. Meist mit null Gefühl für geile Designs, geilen Content, geile Ideen wie man sich als „erste Anlaufstelle im Netz“ platzieren kann. Seltene Ausnahmen bestätigen die Regel.

    In der Vergangenheit war es eben damit (Trick 17) möglich richtig dick Erfolge einzufahren. Hab‘ ich auch gemacht und es kam auch gut was bei rum. Aber: Das wird, zumindest als WH/GH, zunehmend unmöglich. Und weil es möglich war, dachte man, dass SEO NUR aus technischem SEO besteht: KW-Quote X erreicht, Texte sind eh nur für den Bot, Ads gut platziert, jetzt ordentlich Links ballern, PR traden, Cloaken, Metas vollklatschen, hard anchors bis zum Abwinken. Content is king? „Lol, dann schau‘ mal was für Schrott auf Platz 1 – 5 ist!“ (2006). Penguin, Panda, … Peng.

    Und das ist eben das Problem der „Techies“: Dass sie das nicht mehr nachvollziehen können, weil man auch mit Analysen & Co. nur das messen kann was man (im Ansatz) versteht. Habe ich kein Sprachgefühl, kein Gefühl für Ästhetik, dann kann ich 10mal versuchen mir mit Tools Content schön zu kalkulieren… Da denke ich immer an Auftraggeber ganz am Anfang zurück, denen man entgegen schreien konnte: „So ist’s aber totaler Schrott, das will kein Mensch!“ – „Ja laut Tool ist das aber besser!“ Und wenn ich gewohnt bin meine Seiten nur damit pushen zu können, indem ich Faktor X ändere, statt zu kapieren WARUM ich Faktor X ändern sollte und deswegen auch Y, Z und U wichtig sind, tja…

    Achso, heißt auch: Wenn ich nicht über den Code hinaus denken kann, hab‘ ich’s auch schwer Menschen auf der emotionalen Ebene abzuholen. Einfach mal eine Diskussion zwischen einem emotionalen und einem rationalen Menschen beobachte: Die können sich in der Sache vollkommen einig sein – und schlagen sich trotzdem den Schädel über den Weg zum Ziel/das Ziel ein, weil sie im wahrsten Sinn aneinander vorbeireden, da sprachlich auf unterschiedlichen Ebenen unterwegs. Die meisten hitzigen Facebook & Co Diskussionen kranken meist an der gleichen Problematik: emotionale vs. rationale Menschen. Muss man btw. auch verschiedenen abholen, wenn beide konvertieren sollen.^^ („Warum? Sind doch beides User…“)

    P.S.: Wenn ich dann mal ab und zu Insolvenzen stolpere (oder wer sich jetzt zurückzieht mangels Kohle die reinkommt), muss ich (Karma) immer aufpassen, dass ich nicht doch noch den uralten WMP-Account reaktiviere, Thread X von vor 10+ Jahren ausbuddel, mich hämisch mit „Siehste!“ selber zitiere und (Kimblestyle) meinen aktuellen Neuwagen drunter poste.^^

    „Dann ziehen sich diejenigen zurück, die eigentlich viel beizutragen hätten.“

    Logo, warum auch Perlen vor die Säue werfen? Im Grunde ist’s wie bei Tante G und (früheren) Algoupdates: Stelle drei Fakten in den Raum, verlass‘ Dich drauf, dass 95 % sich an einem festbeißen, überinterpretieren und das Ding in eine völlig falsche Richtung geht. (Ich sag‘ nur pruning. röfl) Letztens hatte ich ’nen schönen Einstieg in die Thematik bei einem gewissen board, wo ich mehr oder weniger offen mit einem noobel geredet hab‘, der mir einfach sympathisch war. Der Beitrag wurde relativ schnell von jemand gekapert, der auf einem Detail herumreiten wollte dass aus dem Kontext gerissen wurde (ging um Linkbuilding / nofollow usw.) und warum man selber VOLLKOMMEN falsch liegt. Naja, dann ging’s nur noch darum, bin dann auch instant ausgestiegen. Bringt einfach nichts mit 2006ern zu diskutieren, die jetzt Fleischwurst bei REWE verkaufen. Oder: „NegSEO BUUU, geh‘ sterben!“ – „PBN, Linkkauf, Spam, crosssiting usw. sind aber ok…!?“

    (Hoffentlich genug emotionalisiert und Emotionen geweckt. :X)

    • Mißfeldt

      Wow, danke für diesen Kommentar. Ist ja länger als mein Artikel. Und ja: viele Emotionen geweckt, danke :-)

      • Torsten

        Dein Artikel ist dafür knackiger und präziser. *schleim*

        Emotionen: Vielleicht war’s ja auch nur die Adventsstimmung.^^

    • Aaron Bolte

      Danke, schöner Artikel, schöner Kommentar! Ich sehe in der Emotionalisierung ebenfalls eine Menge „Frust von alten Techies“, die sich von Google’s Algorithmus um ihre einstige Kompetenz betrogen fühlen und nicht mehr so recht mitkommen in der Vermischung und Veränderung ihres Fachgebietes.

  5. Frank

    Mmmhhh, ich erlebe die Emotionalisierung nicht, bzw. ist auch keiner meiner drei engen SEO-Kumpels „aus dem Kreise der alten Techies“ in Online-Diskurse verstrickt. Mag aber auch daran liegen, dass keiner Zeit & Lust hat auf Facebook auch nur irgendwas Fachliches zu diskutieren. Warum auch?

    Wir sind alle seit Anfang/Mitte der 2000er Jahre selbstständig erfolgreich & mehr als ausgelastet, bzw. denken nicht im Traum daran, den Job zu wechseln oder ne Wurstverkäufer-Karriere anzustreben. Da stelle ich mir vorher eher noch ein paar Wagyu-Rinder in den Garten & streichel die verzehrreif ;-)

    Das technisches SEO tot sei, halte ich grundsätzlich für eine gewagte & sehr theoretische These. Mein Alltag (hauptsächlich als Shop-SEO) zeigt zumindest das Gegenteil – die technische Seite wird immer noch komplexer.

    • Torsten

      Da muss man nicht einmal Facebook als niveauarmsten Nenner bemühen, teilweise reicht ein Blick bei den üblichen Verdächtigen. Gerade Ami boards/blogs will man sich gar nicht mehr geben, da drehen ständig lesbar Verzweifelte am Rad. Bei uns hat es sich mit dem schleichenden Abstieg eines ehemals recht beliebten Blogs und der drei Dauerforen eigentlich schon 2012 gut ausgedünnt.

      Als Techies solltest Du doch darum bemüht sein, dass Streicheln zu automatisieren.^^

      Klar, alles was großes Kino angeht, da ist technisches Verständnis zwingend. Aber so wie vor 10, 15 Jahren keiner „der was im Netz“ machen wollte sich mit Typo3 auseinandersetzte (und dann lieber nichts machte) ist’s auch heute. Und der Großteil dürfte nicht große Shops oder Konzernseiten betreuen, sondern 08/15 CMS Installationen mit WP und angekauftem Themes/Plugins für die ordentlichen KMUs. Vielleicht noch Contao & Co. wenn’s hochkommt.

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