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Was zeigt das Wassily Kandinsky Doodle?

Wassily Kandinsky Doodle

Wassily Kandinsky Doodle

[Update: genau dieses Doodle zeigt Google auch am 16. Dezember 2014, siehe „Wassily Kandinsky Doodle (2014)] Google ehrt den weltberühmten Künstler Wassily Kandinsky mit einen abstrakten Doodle. Aber: was sich die Doodle-Zeichner da ausgedacht haben, ist im Grunde genommen falsch. Denn Kandinsy war der Vorreiter der abstrakten Malerei. Aber im Doodle kann man natürlich, so wie üblich, das Google-Logo identifizieren. Damit suggeriert Google, als würden in den Kandinsky Bildern „geheime Botschaften“ verschlüsselt sein. So wie eben die Google-Buchstaben. Aber das ist bei Kandinsky eben nicht der Fall. Abstrakt bedeutet: losgelöst von jeder Gegenständlichkeit, die aus der erfahrenen oder gesehen Welt entstammt.

Wassily Kandinsky (1913)

Wassily Kandinsky (1913)

Aber ehrlich gesagt: mich stört es nicht. Ich finde das Doodle schön, und Wassily Kandinsky wird vollkommen zurecht geehrt.

Er wurde vor 146 Jahren, am 4. Dezember 1866 in Moskau geboren. Nach seinen Pseudo-Studium (Rechtswissenschaft, Ökonomie und Ethnologie) brach seine künstlerische Leidenschaft durch und er ging 1896, im Alter von 30 Jahren, nach München. Dort studierte er zunächst bei Franz Stuck. Kandinsky war ein ausgesprochen geselliger Typ, denn Zeit seines Lebens beteiligte er sich an Künstlergruppen. 1911 gründete er gemeinsam mit Franz Marc und August Macke den „Blauen Reiter„, die international für Aufsehen sorgte. Die Bilder der beteiligten Künstler werden heute zu Rekordpreisen gehandelt.

"Der blaue Reiter" Bild von Wassily Kandinsky (1903) Quelle: Wikipedia

„Der blaue Reiter“ Bild von Wassily Kandinsky (1903) Quelle: Wikipedia

Während des 1. Weltkrieges ging Kandinsky nach Moskau zurück. Er kam jedoch mit dem dort vorherrschenden Konstruktivismus und dessen oppositionellen nationalistisch geprägten Realismus nicht klar. Der gesellige Kandinsky fand einfach nicht seine Bezugsgruppe :-)

Daher kehrte er 1921 wieder nach Deutschland zurück. Er folgte dem Ruf von Walter Gropius, der mit dem Bauhaus in Weimar etwas Neues, Großes auf die Beine gestellt hatte. Dort lehrte Kandinsky bis 1933, bis die Nazis das Bauhaus schlossen. Er ging nach Frankreich. 1939 wurde er französischer Staatsbürger.

Am 13. Dezember 1944 starb Wassiliy Kandinsky in Neuilly-sur-Seine. Seine Werke und theoretischen Arbeiten waren prägend für zahlreiche Künstler des 20. Jahrhunderts.

Hier das Doodle:

Wassily Kandinsky - Google Doodle am 4. Dezember 2012

Wassily Kandinsky – Google Doodle am 4. Dezember 2012

Das Doodle ist offensichtlich von einem sehr berühmten Kandinsky-Gemälde inspiriert: Composition VIII  von 1923 (140 x 201 cm, Solomon R. Guggenheim Museum, New York). Auf dem Doodle erkennt man … zunächst mal nichts. Aber mit dem Wissen, dass es sich um ein Doodle handelt, sieht man dann doch, dass es sich um die Google-Buchstaben handelt. ich habe die mal drüber gelegt:

Wassily Kandinsky Doodle - "abstrakte" Google Buchstaben

Wassily Kandinsky Doodle – „abstrakte“ Google Buchstaben

Wie eingangs gesagt: Kandinsky’s Abstraktion ist eine theoretische, die nicht Spezielles bedeutet. Es wäre also falsch, in den Originalen Kandinsky-Bildern nach verschlüsselten Botschaften zu suchen. Statt dessen sollte man sie so betrachten wie sie sind: als Farben und Formen, die sich auf einer Leinwand tummeln. In Abbildungen im Internet (oder auch Katalogen) ist nur schwer zu vermitteln, was sie eigentlich sollen: sie „bewirken“ etwas im Auge des Betrachters, sie lösten Emotionen aus, die – zumindest damals – noch vollkommen neu und fremd waren. Eine Neuschöpfung, die neue Gefühle und Gedanken provoziert. Wie jede Kunst ist auch die abstrakte Malerei der Weiterentwicklung von Theorien und Wahrnehmungsbedingungen unterworfen. Neben der unmittelbaren Erfahrung sehen wir heute in den Kandinsky-Gemälden sicherlich auch die kunsthistorische Bedeutung, die sie wie eine Aura umgeben. Kunst ist immer vielschichtig …

Und wie immer als Videoversion:


Quelle

Kleine Kunstgeschichte anhand von Google Doodles

Abschließend noch eine kleine Galerie mit „Künstler-Doodles“. Ich habe jeweils kurz dazu geschrieben, warum ich sie im Zusammenhang mit dem Kandinsky-Doodle sehe. Los gehts mit dem Doodle zu Ehren von Joan Miro. Seinerzeit gingen die Miro-Erben gegen das Doodle vor. Peinliche Sache, mehr für die Erben als für Google, finde ich. Übrigens ist Kandinsky auch erst 1944, also vor 69 Jahren gestorben. Und bei uns in Deutschland gilt der Urheberschutz genau 70 Jahre.  Google wird sich also hoffentlich vorher mit den Kandinsky Erben geeinigt haben :-) Egal, Miro ist sicherlich auch einer der großen abstrakten Maler des 20. Jahrhunderts.

Joan Miro Doodle (20. April 2006)

Joan Miro Doodle (20. April 2006)

Paul Cezanne lebte rund 50 Jahre vorher. Er war derjenige, die den großen Umbruch in der Malerei einleitete. Cezanne gilt als Vater der Moderne und hat die Basis für die abstrakte Malerei gelegt.

Paul Cezanne Doodle (19. Januar 2011)

Paul Cezanne Doodle (19. Januar 2011)

Kandinsky war ein Zeitgenosse von Pablo Picasso. Picasso hat zwar die Klassische Moderne geprägt wie kaum ein anderer – und dennoch nie wirklich abstrakt gemalt. In seinen Bilder bleibt der Inspirationsquelle stets als Teil der umgebenden Welt sicht- und spürbar.

Pablo Picasso Doodle (25. Oktober 2002)

Pablo Picasso Doodle (25. Oktober 2002)

Ein Wegbegleiter von Picasso und damit ebenfalls Zeitgenosse von Kandinsky war Juan Gris. Beide wirkten im Rahmen der „Französischen Moderne“:

Juan Gris Doodle (22. März 2012)

Juan Gris Doodle (22. März 2012)

Was Picasso für die Malerei, war Constantin Brancusi für die Skulptur. Auch er trieb die Abstraktion seiner Motive auf die Spitze, ohne sich jedoch je vom Gegenstand zu lösen (zumindest nicht theoretisch). Eines meiner Alltime- Lieblingsdoodles:

Constantin Brancusi Doodle (19. Februar 2011)

Constantin Brancusi Doodle (19. Februar 2011)

Kandinsky hatte wie gesagt großen Einfluss auf nachfolgende Generationen. Dazu gehört zum Beispiel das Doodle zu Ehren von Karel Appel (wurde nur in den Niederlanden gezeigt). Man rechnet Appel zum sogenannten „abstrakten Expressionismus“:

Karel Appel Doodle (25. April 2011)

Karel Appel Doodle (25. April 2011)

Piet Mondrian war auch Niederländer, der die Abstraktion in eine andere, viel kontruktivere Weise weitersponn. Hier das Mondrian-Doodle:

Piet Mondrian Doodle (1. März 2011)

Piet Mondrian Doodle (1. März 2011)

Und zum Schluss einen der ganz großen Künstler des 20. Jahrhunderts. Einer, der die Abstraktion in ihren Grundzügen konsequent weiter entwickelt hat und so zu, wie ich finde, genialen Bildern kam: Jackson Pollock.

Jackson Pollock Doodle (28. Januar 2009)

Jackson Pollock Doodle (28. Januar 2009)

Soweit der kleine Doodle-Exkurs in die Kunstgeschichte. Es gibt jemanden, der in dieser Reihe der „großen Abstrakten“ noch fehlt: Kasimir Malewitsch. Ich vermute, der bekommt auch bald ein Doodle :-)

Hier noch einige weiterführende Links:

Und natürlich nutze ich gerne die Gelegenheit, um auf meine Künstlerseite zu verweisen: www.martin-missfeldt.de

Kategorie: Allgemein   Autor: Martin Mißfeldt

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13 Kommentare zu "Was zeigt das Wassily Kandinsky Doodle?"

  1. Max

    Danke, Martin für den schönen Text und ein wenig Geschichte zu Kandinsky. Für mich ist der/die/das Google Doodle ja abstrakt genug. Ohne deine drübergelegte Schrift hätte ich kein Google gefunden. :)
    Gruß, Max

  2. Christian

    WOW…Mal wieder ein absolut genialer Doodle-Beitrag. Klasse Martin…Ich würde fast sagen du bist der absolute Doodle-Papst :-) (zumindest im deutschsprachigen Raum).

    p.s. Ich bin etwas verwundert das mir das Doodle heute garnicht angezeigt wird?!?!

    • tagSeoBlog

      Danke. Tja, Google hat das Doodle tatsächlich wieder zurückgezogen. Der Grund dafür ist ein offensichtlicher Patzer irgendeines Google-Mitarbeiters. Bei Wikipedia steht als Geburtsdatum der 4. Dezember, dahinter allerdings ein kleines (jul.). Das bedeutet: nach julianischem Kalender. Seit der Gregorianischen Kalenderreform werden die Tage allerdings etwas anders gezählt (da es aufgrund fehlender Schaltjahre zu einer Verschiebung kam). Nach gregorianischem Kalender ist der Geburtstag von Kandinsky erst am 16. Dezember. (steht auch im Wiki-Artikel)
      Warum also schreibt Wikipedia das julianische Datum noch hin. Ich findes es zwar unsinnig, aber es hängt wohl damit zusammen, dass in Rußland zu der Zeit, als Kandinsky geboren wurde, tatsächlich noch die julianische Zeitrechnung angewandt wurde.
      Viel Verwirrung, aber eine interessante Testumgebung. Wie wird Google wohl am 16. Dezember diese Artikel in die Ergebnisse einbinden?

  3. Tino von Artinfo24

    Hallo Martin,
    Deine Doodle-Ausführungen sind ja immer sehr interessant und für den nicht ganz so kunstaffinen User auch ein echter Mehrwert. Nur wann und wo wurde denn das Kandinsky-Doodle eingespielt? Konnte es weder gestern noch heute entdecken.

  4. Simon

    Bin ich jetzt blind geworden über Nacht, oder ist das Doodle weg?

  5. Ralf Peter

    Ist die Sache mit dem julianischen / gregorianischen Kalender eine Vermutung von Dir, oder hat irgendjemand den „Patzer“ bestätigt?
    Beim Otto von Guericke Doodle wurde nämlich auch der Geburtstag nach dem julianischen Kalender gefeiert. Ich gehe von irgendeinem anderen Problem beim Kandinsky Doodle aus.

    • tagSeoBlog

      ah, ok. Ist ne Vermutung. Meinst Du die haben sich bei den Bildrechten verzockt? Gab ja schon mal Ärger mit den Miro-Erben. Na, am 16.12. werden wir es wissen…

    • Schnurpsel

      Ich denke, Otto von Guericke war ein Fehler, den nur niemand bemerkt hat. Jetzt bei Kandinsky ist es erst aufgefallen.

      Habe mal ein paar Doodles rausgesucht, wo bei den Personen auch ein julianischer Geburtstag in der Wikipedia vermerkt ist. Um noch zwei Russen zu nennen, Ziolkowski und Lomonossow, aber auch bei Newton und Steno wurden die Doodle immer am Tag des gregorianischen Geburtstages veröffentlicht.

      Kann natürlich trotzdem sein, daß es was mit Bildrechten zu tun hat. :-)

  6. Klaus Stolberg

    Der Text ist zwar nicht komplett falsch, aber etwas mißverständlich:
    … der mit dem Bauhaus in Weimar etwas Neues, Großes auf die Beine gestellt hatte. Dort lehrte Kandinsky bis 1933, bis die Nazis das Bauhaus schlossen….

    Das Bauhaus bestand nur bis 1925 in Weimar, danach in Dessau. Sollte man vielleicht klarstellen.

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Martin Mißfeldt

Autor: (Künstler, Firma DUPLICON Berlin) über Bilder, die Bildersuche im Internet sowie Bilder- und Video-Optimierung. Mehr

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