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Schlüsse aus dem Google Core-Update: Medic (?) besser: Trust-Update

Google Core Update (Medic)

Google Core Update (Medic)

Das letzte große Google-Update von Anfang August 2018 wurde von Google bestätigt und als „Core-Update“ bezeichnet. Es hat in den Rankings der Google-Suche zu teilweise erheblichen Verschiebungen geführt. Besonders betroffen sind nach ersten Analysen von Johannes Beus (siehe Artikel bei Sistrix) und Barry Schwartz (siehe Artikel bei SearchEngineRountable) vor allem Websites aus den Bereichen „Gesundheit“ und „Finanzen“. Diese beiden Bereiche werden nun auch als YMYL („Your Money Your Life“) bezeichnet, ausgesprochen Ümil ;-) Ich selber betreibe einige Ümil-Seiten, z.B. Brillen-Sehhilfen.de, Sehtestbilder.deBlutwert.net, Erythrozyten.net und andere. Im Folgenden meine Schlussfolgerungen und Empfehlungen für die, die Rankings verloren haben.

Medic-Update (?)

Da nach ersten Analysen von Sistrix und anderen offenbar besonders viele Seiten aus dem Gesundheitsbereich betroffen sind, hat Barry Schwartz den Begriff „Medic-Update“ geprägt, der sich offenbar durchsetzt. Ich halte diese Bezeichnung allerdings für irreführend. Denn es entsteht der Eindruck, als hätte Google ein Update gemacht, um gezielt bestimmte Branchen zu verändern.

Ich vermute eher, dass es eine allgemeingültige Änderung ist, die sich bei Themen wie Gesundheit und Finanzen besonders auswirkt (die bekannte Unklarheit von Korrelation und Kausalität).

Nach meiner Einschätzung handelt es sich um ein „Trust-Update“. Google gewichtet den Faktor „Vertrauenswürdigkeit“ (Trust) also nun anders als zuvor. In unserem Podcast mit Carsten Hinrichs (privat) habe ich vor einigen Tagen noch etwas anderes vermutet, naja, man entwickelt seine Thesen ja weiter ;-)

Um das Trust-Update zu verstehen, muss man sich zwei Dinge vergegenwärtigen:

  • Was genau ist der Google-Core?
  • Was genau ist Trust?

Was ist der „Core“?

Schon Ende 2017 habe ich mir in einem umfangreichen Artikel Gedanken dazu gemacht, daher fasse ich es hier nur grob zusammen. Man ist als Seitenbetreiber stets geneigt, die Gewichtung von Websites im Vordergrund zu sehen. Aber Websites sind nur ein Bestandteil des Internets. Es gibt natürlich eine Reihe von (Unter-)Algorithmen, die sich speziell um die Auswertung von Websites kümmern. Aber diese (Unter-)Algorithmen sind nur ein „Zulieferer“ für den Core-Algorithmus.

Der Core-Algorithmus hat vor allem ein Ziel: eine Suchanfrage zu verstehen. Genauer gesagt: die dahinter liegende Such-Intention. Nach meiner These bzw. dem Modell, das ich entwickelt habe, kann dieser Core inzwischen extrem fein differenzieren: Vereinfacht gesagt gibt es für jedes „Keyword“ eine Reihe von individuellen Parametern, die im Laufe der Zeit individuell verfeinert werden (statistische Auswertung von Aber-Millionen von Signalen = Künstliche Intelligenz = RankBrain). Der Core-Algorithmus steuert also letztlich nur noch die Gewichtung der individuellen Parameter, die ihrerseits wiederum auf Ergebnisse vieler (Unter-)Algorithmen zugreifen.

Überspitzt kann man sagen: es geht Google nicht mehr darum, die beste Website zu finden, sondern das beste Suchergebnis.

Das ist bei den meisten Keywords inzwischen eine Kombination aus Websites, News, Bildern, Antowert-Boxen, Suggest, Knowledge-Graph-Einblendungen, etc.

Ausschlaggebend für dieses „beste Suchergebnis“ ist nicht mehr die Qualität einer Website an sich, sondern die Qualität bezogen auf die jeweilige Suchintention, die Google bei der Mehrheit der Suchanfragenden ermittelt hat (!) – auf Basis der Daten aller bisherigen Anfragen zu diesem Keyword. (Hinweis: ich schreibe hier immer noch von „Keyword“, weil das das Verständnis erleichtert. Aber natürlich ist „Keyword“ potentiell viel mehr als ein getipptes Word, siehe z.B. Sprachsuche.)

Hier die vereinfachte Grafik, die das Ganze veranschaulicht:

Google Core: Analyse der Suchintention

Google Core: Analyse der Suchintention

Was ist Trust?

Trust, also die Vertrauenswürdigkeit einer Website, war schon immer ein sehr nebulöser Rankingfaktor. Wahrscheinlich spielen dabei Dinge eine Rolle wie

  • Vertrauenswürdigkeit der eingehenden Links (Trust kann vererbt werden)
  • Vertrauenswürdigkeit des Website-Betreibers (Impressum, Über uns etc.)
  • Vorkommen des Betreibers / der Domain in vertrauenswürdigen Verzeichnissen, Branchenbüchern etc.
  • Vorkommen des Betreibers / der Domain in Social-Media
  • Bei Shops: Trust-Siegel, User-Berwertungen etc.

Wahrscheinlich gibt es weitere Signale, die bei Trust-Faktor eine Rolle spielen. Entscheidend hier ist jedoch folgendes: Bisher wurde Trust jeweils als „Bestandteil der Website“ analysiert. Also quasi ganz allgemein und für alle gleich.

Trust als Erwartung bei der Suchintention

Nun – und das scheint mir der Knackpunkt an dem aktuellen Google-Update zu sein:

Trust ist jetzt zum Teil der Suchintention geworden. Google analysiert also nun im Rahmen des Core-Algorithmus für jedes Keyword individuell, wie wichtig der Faktor „Trust“ für diese jeweilige Suchanfrage ist.

Das hat natürlich zur Folge, dass Websites aus dem Gesundheits- und Finanzbereich stärker betroffen sind als andere. Die Suchenden erwarten logischerweise, dass die gezeigten Websites bei solchen Anfragen vertrauenswürdiger sind als bei anderen Themen. Hier die Grafik, die diese Verschiebung noch einmal veranschaulicht:

Google Medic-Update Infografik

Google Medic-Update: Verschiebung des Faktors „Trust“ hin zum Core, also nun eine Frage der Suchintention

Was folgt daraus?

Wenn nun bei einigen Suchanfragen der Trust-Faktor eine wesentlich größere Rolle spielt, dann müssen die Websites, die für diese Keywords vorne gerankt werden wollen, entsprechende Trust-Signale haben. Genau das scheint der Grund für die teilweise gravierenden Veränderungen zu sein. Bisher waren bie vielen Keywords Websites vorne, die andere positive Signale hatten. Wenn aber nun bei diesen Keywords der Trust-Faktor eine wichtigere Rolle spielt, verlieren logischerweise andere Faktoren an Wichtigkeit (z.B. Textlänge, Links etc.). So ist ev. auch zu erklären, warum Seiten, die ev. nicht den optimalen Content haben, nun plötzlich viel weiter vorne ranken – sie haben einfach stärkere Trust-Signale.

Den Betreibern von Websites, die bei diesem Google-Update verloren haben, würde ich daher empfehlen, solche Signale zu stärken, aus den Google „Vertrauenswürdigkeit“ ablesen kann. Oben habe ich bereits einige genannt. Weitere werden in den kommenden Tagen und Wochen sicherlich noch untersucht werden.

Denkbar sind auch folgende Signale:

  • Uniqueness – die man z.B. über eigene Bilder aufbauen kann
  • „Saubere Vergangenheit“ – möglicherweise wirken sich fragwürdige Signale aus der Vergangenheit negativ aus
  • Verifizierte und gut vernetzte Autoren
  • Alle potentiellen Fake-Signale löschen (siehe dazu unseren aktuellen Podcast Teil 1 und Teil 2)
  • Nervige Popups (Newsletter, Benachrichtigungen etc.) abschalten

Allen beim Optimieren viel Erfolg.

Weiterlesen?

Kategorie: SEO Stuff   Autor: Martin Mißfeldt

15 Kommentare zu "Schlüsse aus dem Google Core-Update: Medic (?) besser: Trust-Update"

  1. Ralf

    Genau das kann ich so auch bestätigen. Ein Aufräumen der alten Backlinks wirkt nahezu sofort „Wunder“. Das Update zeigt auch, wie wichtig Vertrauenssignale immer mehr werden und damit sind nicht nur Links gemeint.
    Toller Artikel!

  2. Frank

    Bei mir sind viele Keywords im Bereich Gesundheit/Ernährung abgerutscht. Gleichzeitig sind bei einigen Keywords maschinell übersetzte Seiten von englisch-sprachigen Webseiten (mit scheinbar mehr Trust) nach oben gespült wurden. Ich denke das ist auch nicht so optimal für die Suchergebnisse und da hat Google noch jede Menge Luft nach oben …

    Verrätst du uns, wie deine Projekte in den genannten Bereichen genau betroffen sind? Wäre interessant zu wissen, ob du evtl. im Bereich Sehen/Bilder weniger Rückschläge hinnehmen mustest als im Bereich Blut/Blutbild. Schließlich hast du doch jede Menge Bilder-Trust :-)

  3. Peter

    Hallo Martin,

    bei mir wurde eine Seite durch das Core Update stark zurückgestuft. Ich führe es auf dünne und doppelte Inhalte zurück (Import von Amazon Produktbeschreibungen). Es betraf allerdings nur die entsprechenden Unterseiten. Die betreffenden Inhalte habe ich entfernt. Mich würde einmal deine Meinung interessieren, ob eine Wiederherstellung fortlaufend möglich ist oder erst mit dem nächsten Core Update zu erwarten ist.

    • Mißfeldt

      Gute Frage, danke. Ich denke, dass Änderungen am „Core“ ab dem Moment wirken, wo sie eingeführt wurden. Und ab dann jederzeit, quasi „on the fly“. Ich glaube daher nicht, dass man auf weitere Updates warten muss, um darauf zu hoffen, dass sich alte Rankings wieder einstellen. Es könnte höchstens sein, dass Gogole nach den ersten Tagen „feinjustiert“, indem sie sagen: ok, wir haben dem Faktor „Trust“ ev. ein klein wenig zuviel Gewicht beigemessen. Aber ich erwarte das ehrlich gesagt nicht. Eher würde ich vermuten, dass der Faktor Links nach und nach zurückgedreht wird und stattdessen so etwas wie „Autorität“ im Sinne von „Kenntnisnachweis“ an Bedeutung gewinnt. Aber vielleicht war das auch schon in diesem Update der Fall :-)

      • Peter

        Besten Dank für die hoffnungsstimmende Antwort :-)

  4. Oliver

    „Kenntnisnachweis“ ist ein gutes Stichwort. Ich rätsle noch, ob bspw. Studien oder Experten-Meinungen wirklich relevant sind. Viele Seiten, die im Gesundheitssektor nach oben gespült wurden, haben weder das eine noch das andere. Ich traue Google auch nicht zu, die Komplexität im Gesundheitsbereich länderübergreifend zu verstehen. Was in den USA ok ist zu schreiben, wird in der EU ggf. abgemahnt (Health-Claims).

    Ich halte auch das Thema „Autoren“ für schwierig, denn kaum eine Website im Gesundheitsbereich (darunter auch viele Ecommerce) haben bspw. einen Arzt oder anderen Gesundheitsexperten als Autor, den Google als solchen auch anerkennt.

    Alls sehr schwierig zu bewerten.

  5. Torsten

    Tja, ich gehöre auch zu denen die nicht wirklich meckern können, da es im Schnitt bei mir deutlich nach oben ging. Inwiefern man da Trust, ich nehm‘ jetzt mal deine Definition an, gewichten kann: schwierig. Zumindest ging’s bei der Konkurrenz scheinbar in den Keller – ich hab‘ ja nicht deren Logs, aber typische „Schreckmaßnahmen“ lassen darauf schließen. :)

    Der Unterschied, und da sind wir beim Trust nach MF ;), ist meiner Meinung nach auf jeden Fall im Content zu sehen – denn abgesehen von einem recht dünnen, teils PBNigen Unterbau (den ich aber auch bei bestimmten Projekten hab‘) war’s von dem was ich als Besucher heute erwarten würde recht mau (08/15 Onepager, aff-getränkt, Stockpics, holistische tl, drs), einfach nicht organisch auf beiden (bot/besucher) Seiten. Kurz: Der Unterschied den ich im Content zwischen meinen Projekten (mit ordentlich Zuwachs) und denen der Konkurrenz (mit vermutlich Abgängen) feststellen kann ist, dass mein (in jeder Hinsicht unique) Content im Vergleich deutlich ’ne Ecke mehr Qualität hat (aus Usersicht, nicht aus Einnahmensicht :D) und sich das auch über andere, organische Signale bemerkbar machte, soziale Resonanz usw. Hat ein bisschen was von brands vs. spam.

  6. Christian Ehlert

    Einfach mal so 50% des bis dahin stabilen Keyword Traffics aus dem Index geschmissen. Super gemacht Google. Das Update war ganz übel für Foren und Newsseiten. Bei unseren Keywords wie z.b. „Horrorfilm“ mal als bekanntestes rankt plötzlich tvSpielfilm vorn, die waren noch nie auf den ersten 2 Seiten damit. Dafür die 2 größten Horrornewsseiten weit nach hinten gespült. Als Forum gleich ganz mit dem Hammer drauf. Bei dem Update ging es wie im Artikel erwähnt wohl um „Vertrauensseiten“ als Markenbetriebe die nach vorn gepusht wurden, zumindest bei meinen Keywords.

  7. Martin

    Interessanter Text. In der Regel lesen ich solche Themen über Google und dessen Updates nicht mehr. In der Vergangenheit ist Google gegen guten „Content“ vorgegangen, egal ob Blog, Internetseite oder Foren. Deswegen verwundert es mich immer wieder, wie auch hier, in die Glaskugel geschaut wird, was und wie Google mit Content im Netz umgeht. Bei den Analysen fehlen mir immer, die wissenschaftlichen Nachweise. Trotzdem, immer wieder gerne gelesen!

  8. Michael Ruprecht

    Die Länge eines Contents ist tatsächlich nicht mehr so relevant, viel mehr geht es um die richtige und vertrauenswürdige Antwort. Bei der Vertrauenswürdigkeit scheint sich G, jedenfalls bei den Keywords mit hohen Suchanfragen bzw. YMYL, an die großen Brands zu halten (Linkpower ohne Ende).

    Mir scheint auch der aggressive Linkaufbau wieder stark in Mode zu sein. Zu Zeiten des Pinguin Updates wurden alle verschreckt, heute funzen vielleicht sogar wieder Links aus Webverzeichnissen ;-)

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  2. […] Anhand der Grafik ist auch abzulesen, dass die Finanzen auf Platz 3 der betroffenen Branchen ist. Eines haben diese Branchen auf jeden Fall gemeinsam und zwar, dass hier die Vertrauenswürdigkeit im Vordergrund stehen sollte, deswegen sprechen einige auch von einem Trust-Update. Bezeichnet werden die betroffenen Seiten von Google auch als YMYL, was für “Your Money Your Life” steht. Eine interessante Analyse, warum das “Medic Update” doch eher ein “Trust Update” ist gibt es bei Martin Mißfeldt vom tagSeoBlog. […]

  3. […] dass das Update Websites unterschiedlichster Branchen betroffen hat.  Auch SEO Branchenexperte Martin Mißfeldt hat sich mit den Auswirkungen des Updates beschäftigt, da er selbst auch einige Websites […]

  4. […] Schlüsse aus dem Google Core-Update: Medic (?) besser: Trust-Update […]

Martin Mißfeldt

Autor: (Künstler, Firma DUPLICON Berlin) über Bilder, die Bildersuche im Internet sowie Bilder- und Video-Optimierung. Mehr

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